Tag 5
Ganz leichter Regen begleitete uns in die Altstadt. Trotz aller Vorhersagen sind wir davon bisher verschont geblieben. Den ersten Stopp legten wir beim Scottish Parliament ein. Bereits am ersten Tag hatte Susanne im Schaufenster des Parlamentsshops etwas entdeckt, leider war er bereits geschlossen. Am dritten Tag verfehlten wir den letzten Einlass ins Parlament um zwei Minuten. Nun also der letzte Versuch. Da der Shop nur von innen zu erreichen war, mussten wir den kompletten Sicherheitscheck am Einlass durchlaufen. So sicher haben wir uns noch nie in einem Laden gefühlt. Aber es ging schnell und wo wir schon mal drin waren, haben wir uns natürlich auch die kleine Ausstellung und den wirklich sehenswerten Sitzungssaal angesehen. Dort fielen uns Designelemente in Form von Flaschen auf, die es überall gab. Schnell fanden wir heraus, dass es sich hierbei nicht um Flaschen handelte, sondern die Form sollte Menschen darstellen. War jetzt nicht unsere erste Intuition – das waren eindeutig Whiskyflaschen – aber gut. Schnell eine Runde durch den Shop, dann ging es weiter. Und ab nun ohne Regen.
Wir machten uns auf den Weg zum Greyfriars Kirkyard – mit kurzem Zwischenstopp am National Museum Scotland. Eigentlich hatten Stef und Yvi das besuchen wollen, aber Ryanair machte ihnen ja einen Strich durch die Rechnung. Wenigstens den Shop haben wir dann aber besucht. Es gibt nichts schöneres als Museums-Shops!
Der Greyfriars Kirkyard liegt im Herzen Edinburghs und beherbergt einige interessante Leichen. Zum einen die von Bobby und dessen Herrchen. Bobby war ein Skye Terrier, der von 1858 bis zu seinem eigenen Tod 1872 am Grab seines Herrchens wachte. So sagt es die Legende. Vor dem Friedhofseingang steht natürlich auch eine Statue von dem kleinen Kerl. Mit blank polierter Nase, denn angeblich bringt es Glück sie zu reiben. Dies ist aber auch der Friedhof, auf dem sich J.K. Rowling einige Inspirationen für Namen in ihren Harry Potter Büchern geholt hat.
Entsprechend viele Fans waren hier unterwegs, auf der Suche nach den Gräbern. Ein paar haben wir natürlich auch gefunden, aber einfach war es nicht. Am Ende des Friedhofs liegt die George Heriot’s School, die als Vorbild für die Zauberschule Hogwarts diente.
Weiter ging es zur Victoria Street, die mit ihren kleinen Läden und ihrer Enge sofort an die Winkelgasse bei Harry Potter erinnert. Natürlich gab es auch einige Läden für Harry Potter Fans, aber sehr viel Neues konnten wir da nicht entdecken und unsere Geldbeutel wurden geschont. Also… fast alle Geldbeutel. Da uns mittlerweile allen die Füße schmerzten, machten wir eine kleine Pause auf dem Grassmarket, ehe wir uns in Richtung Neustadt aufmachten. Neustadt ist übrigens nicht so ganz die richtige Beschreibung, die meisten Häuser dort stammen aus dem 18. Jahrhundert, aber im Vergleich zur Altstadt… Wir hatten dort eine Teatime in einem recht imposanten Restaurant namens The Dome gebucht. Mit dicken Teppichen, korinthischen Säulen, Kronleuchtern, Marmortresen und Palmen sind die Räume für Gourmet-Dinner, Lunch oder High Tea gestaltet. Zum Glück war die Kleiderordnung doch nicht ganz so streng, wie es auf der Homepage stand und während wir noch die Karte studierten, stand plötzlich eine knuffige Kellnerin neben uns, die uns grinsend anbot, dass wir auch in Deutsch bestellen können. Das machte die Sache natürlich deutlich einfacher. Die Teatime umfasste alles, was das Herz begehrte und die wenigen Überbleibsel konnten wir in eine Doggybox packen und mitnehmen.
Stef und Yvi wollten noch ein bisschen auf Fotojagd gehen, Dea und Sanne dem Hardrock Café einen Besuch abstatten, welches direkt neben dem Dome lag. Im Gegensatz zu den anderen beiden waren wir allerdings erfolglos. Es war wirklich das erste Mal, dass es nichts gab, was wir hätten kaufen können. Erschütternd!
So ganz ursprünglich wollten wir an dem Abend ja noch in eine Cocktailbar, aber der Plan wurde stillschweigend unter den Teppich gekehrt und wir verbrachten den Abend gemütlich in unserer Wohnung. Zumal wir am nächsten Tag wirklich früh aufstehen mussten.
Aber erstmal müssen wir die Sache mit den Ebenen noch aufklären. Edinburgh ist eine Stadt, die übereinander gebaut ist. Dazu noch auf vulkanischem Gebiet. Und nicht jede Straße kreuzt zwingenderweise die, die man sucht, weil sie nämlich einfach auf einer anderen Ebene liegt. Treppen sind hier das Zauberwort. Gefühlt musste man immer eine Treppe nehmen. Sei es zur Toilette, zu Sehenswürdigkeiten oder aber eben zur richtigen Straße. Die Schrittzähler hat es gefreut, unsere Füße weniger.
Tag 6
Der letzte Tag begrüßte uns erneut mit regnerischem Wetter. Ungünstig, da wir ja unseren Tagesausflug in die Umgebung machten. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir Stirling Castle. Die Burg liegt auf einem steil aufragenden Hügel vulkanischen Ursprungs und sieht wirklich imposant aus. Eigentlich wollten wir ja gar nicht rein, da wir nur zwei Stunden Zeit hatten, was uns zu wenig vorkam. Aber es regnete wirklich in Strömen und die Aussicht, bei dem Wetter draußen rum zu laufen, war wenig erfreulich. Also haben wir uns doch schnell noch Tickets gekauft und bereuen es absolut nicht. Das für Schottland historisch unglaublich wichtige Gebäude vegetierte ein bisschen vor sich hin, bis es vor gut 20 Jahren endlich umfänglich restauriert wurde. Von der Inneneinrichtung ist nicht viel übrig, dennoch ist es sehr liebevoll präsentiert. Mit Mitarbeitern in historischen Kostümen, prächtigen Wandmalereien und Tapiserien und jeder Menge Einhörner. Endlich!
Das Wetter hatte auch ein Einsehen und es hörte auf zu regnen. Weiter ging es zur nächsten Station, dem Loch Lomond. Flächenmäßig der größte See Schottlands. Als wir da ankamen, hatten wir das, was man getrost als typisch schottischen Drama-Himmel bezeichnen kann. Wolkenverhangene Bergspitzen, darüber strahlend blauer Himmel, gefolgt von tiefschwarzen Wolken. Einfach nur grandios! Die Station war auch für die Mittagspause vorgesehen. Wir hatten vorgesorgt, holten uns im kleinen Shop noch ein paar Dinge dazu und machten es uns dann an einem der Picknicktische gemütlich. Achja… hier waren wir den Highlands so nahe wie sonst nie. Auf dem Parkplatz verläuft nämlich die Grenze zwischen Lowlands und Highlands. Und da wir zu den coolen Leuten gehören, standen wir natürlich auf der Highland-Seite, als unser Guide uns die Bedeutung der Linie erklärte. Yes!
Aber auch hier war die Zeit endlich und weiter ging es zur letzten Station. Was fehlt noch! Na? Richtig! Whisky. Ziel war die Brennerei mit dem unaussprechlichen Namen: Auchentoshan (Ook-en-tosch-en) nahe Glasgow. Laut eigener Aussage die einzige Destillerie, die ihren Whisky dreifach filtert. 135 Whisky-Brennereien gibt es übrigens aktuell in Schottland. Die alle durchzuprobieren ist wohl ein Lebenswerk.
Aber zurück zu unserer… die Jungs, die da arbeiten, waren allesamt zuckersüß. Nach Ankunft kriegten wir erstmal eine exklusive Toiletten-Führung. Der Mann, der uns durch die Brennerei geführt hat, freute sich, als er hörte, dass wir aus Berlin sind, denn da ist er auch regelmäßig, weil er hier Freunde hat. (Er re-importiert übrigens den Whisky aus Deutschland nach Schottland, weil er hier deutlich billiger ist.) Und der im Shop war so Gentleman, dass er sich nicht traute, Sanne zu sagen, dass ihr die Größe S vom Hoodie eventuell nicht passen könnte. (Tat sie aber – sehr zu seiner und ihrer Freude) und freute sich wie Bolle, dass Stef als erste das ganz neue Probier-Set kaufte. On top gab es noch eine kleine Emaille-Tasse. Hach…
Zurück in den Bus nach Edinburgh. Abzüge in der B-Note gibt es für unseren Guide. Kein Kilt und kein Stopp bei den Kelpies! Ansonsten war es aber eine schöne Tour zum Abschied.