Quasi alles richtig gemacht…

Der Tag heute begann sehr früh. Bereits um halb acht saßen wir am Frühstückstisch. Aber wir hatten ja auch volles Programm. Irgendwie haben wir es dann aber trotzdem geschafft, das Hotel erst um halb zehn zu verlassen. Das reichte aber völlig, um in Schönbrunn ganz entspannt hinein zu spazieren. Keine Schlangen, keine großen Wartezeiten. Also das erste Mal alles richtig gemacht.

Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten konnte ich mich diesmal sogar mit dem Audio-Guide anfreunden und kurz darauf wandelten Andrea und ich, Hörer am Ohr, durch die zahlreichen Räume. Hm, was soll man dazu sagen? Viel Gold, viel Damast. Zwar relativ schlicht, aber halt Barock. Und zwar so richtig! Aber so insgesamt ist Schönbrunn schon ein sehr imposantes Anwesen. Schön ist auch das Programm für Kinder, was dort gemacht wird. Es gibt ein eigenes Kindermuseum und auch kindgerechte Führung. Wir beobachteten nämlich, wie in einem Raum nebenan eine große Gruppe Kinder gebannt dem Museumspädagogen lauschte, der ihnen den Unterschied zwischen Mieder und Korsett erläuterte. Frühkindliche Erziehung vom Feinsten! ;o)

Wir absolvierten jedenfalls unsere 40 Räume in 50 Minuten, dann zog es uns zur ersten Pause. Bei lecker Mozart- und Maria Theresia-Kaffee (jaja, Kaffee können die Österreicher einfach) bestaunten wir das Kuchenangebot des Cafés, nur leider hatten wir noch nicht wieder Hunger. Was SEHR schade war.

Dann machten wir uns auf den Weg, um die Gartenanlage zu erkunden. Schnell stellten wir allerdings fest, dass man damit auch locker drei Tage verbringen kann. Also konzentrierten wir uns auf die große Mittelpromenade und den Rosengarten, den wir aus dem Fenster schon gesehen hatten. Ein Traum von Farben und Düften.

Andrea wollte sich gerne noch den Fuhrpark von Kaisers angucken (ja, sie hat halt nen Faible für Oldtimer…). Und da mich das durchaus auch interessierte, machten wir einen Abstecher zur Wagenburg in einem Nebengebäude. Nette Schlitten hatten sie da. Also im wahrsten Sinne des Wortes, wie auch im übertragenen. Kinderkutschen, Alltagskutschen, Zeremoniekutschen, Trauerkutschen, Leichenwagen und natürlich die Krönungskutsche, die mal ganz dezent von einem Achtspänner in vollem Schmuck gezogen wurde. Also die letzten beiden tät ich nehmen, wenn man mich ließe. ;o)

Es wird Zeit für einen kleinen Schlenker in der Erzählung. Als wir den Park betraten, lächelte uns ein Schild an auf dem stand: „Bei Sturmwetter ist der Aufenthalt unter den alten Bäumen gefährlich, daher sind diese Plätze zu meiden.“ Wir guckten in den Himmel. Strahlend blau, Sonnenbrandgefahr und in der Sonne brütend heiß. So viel dazu! Von Minute zu Minute wurde der Himmel in Richtung Zoo allerdings plötzlich immer schwärzer. Andrea redete den Weltuntergang herbei, ich erzählte was von kurzem Sommergewitter. Als wir dann aus der Wagenburg wieder heraus kamen, sah die Situation allerdings so aus, dass ich mich dem Weltuntergang langsam anschloss. Eine schwarze Wolkenfront und starke Böen ließen uns zunächst in das Restaurant nebenan flüchten. Also quasi schon wieder was richtig gemacht. Denn, wenn Andrea die Oldtimer nicht hätte sehen wollen, wären wir mitten im Park gewesen, als schließlich das Unwetter los brach. Kurz und heftig.

Nach Gulaschsuppe und Getränk sah es dann wieder ganz gut aus und wir machten uns auf den Weg zum Tiergarten. Der Regen wurde allerdings wieder penetranter. So penetrant, dass die Aussicht auf einen Zoobesuch nicht so wirklich prickelnd war. Wir lungerten in der Nähe des Zoos herum, unter meinem Regenschirm, denn Andrea‘s war grade damit beschäftigt, ihr Hotelbett trocken zu halten. ;o)

Langsam pirschten wir uns an den Eingang heran, wo sich auch der Zooshop befand. Da wir den Plan Zoo noch nicht wirklich aufgeben wollten, flüchteten wir da hinein. Und als wir wieder hinaus kamen, war es schon deutlich heller und tröpfelte nur noch leicht.

Andrea hatte im Shop gesehen, dass es Regencapes zu kaufen gab. Also stiefelte sie kurz entschlossen los und erstand den Top Seller der letzten Stunde! Formschönes Regencape aus dünner Plastikfolie für 2,80 Euro das Stück! So gewappnet betraten wir schließlich den Zoo. Das Wetter konnte uns doch nichts anhaben! Aber wir offenbar dem Wetter. Anscheinend fand es uns in den Capes so lächerlich, dass es sofort den Regen eingestellt hat. Wir hatten grade mal die Pandas gesehen (das zweite Gehege links am Wegesrand wohlbemerkt), da knallte auch schon wieder die Sonne vom Himmel. Also schon wieder alles richtig gemacht. Wer weiß, was der Himmel getan hätte, wenn Andrea nicht diese Investition getätigt hätte?!

Der Tiergarten Schönbrunn ist nicht nur der älteste Zoo der Welt, sondern auch einer der schönsten, die wir je gesehen haben. Und wir haben ja nun schon einige besucht. Wundervolle Gehege, tolle Gebäude, schöne Wege. Einfach empfehlenswert. Mein erstes Highlight: vom Regen durchweichte Katzenbären, die sich eifrig trocken putzten und ich hab ein Teleobjektiv am Start. Yeah!

Dann kam der Punkt, wo wir – ohne es zu wissen – gleich zwei Dinge richtig gemacht hatten. Zum einen die zeitliche Verzögerung beim Eintritt des Zoos und zum anderen die putzig gezeichnete, aber nicht sehr genaue Karte vom Zoo, die Andrea falsch interpretierte. So liefen wir einen Waldweg hinauf, den wir eigentlich gar nicht nehmen wollten. Der führte uns allerdings zum Gehege der Polarwölfe. An sich ja schon mal tolle Tiere, die wir sehr lieben. Als dann aber plötzlich ein wuseliger Haufen von sechs Welpen – vier Wochen alt und ein tollpatschiger Traum in braunem Plüsch – aus der Höhle gekrochen kam, wollten wir da gar nicht mehr weg!

Eine Mischung aus Füße, Hunger, Supermarktschließzeit, Rücken, erneut aufziehenden Regenwolken und Overdose vertrieben uns dann aber schließlich doch.

Kulturprogramm bekommt man in Wien übrigens en passant geboten, wenn man in der richtigen Straße wohnt! Direkt bei uns gegenüber ist nämlich das Theater an der Wien. Und als wir zurück ins Hotel kamen, waren die Damen und Herren Sänger gegenüber damit beschäftigt, sich für die abendliche Vorstellung von La Traviata warm zu singen. Wir nahmen uns ein Proseccochen, rissen die Fenster auf und lauschten andächtig.

Was das Abendessen und den Ausklang des Abends betraf, wurde es dann aber Zeit, noch einmal alles richtig zu machen. Unser Hotel empfiehlt ein kleines Restaurant auf dem Naschmarkt, keine 5 Minuten weg. Ein Blick ins Internet verrät, dass nicht nur unser Hotel das so sieht. Angeblich das beste Gulasch der Stadt soll es im Restaurant „Die Eisernen Zeit“ geben. Okay, wir haben die anderen nicht probiert. Aber das in der Eisernen Zeit können wir schwer empfehlen!!!!

Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind nicht so dolle… scheint so, als müssten wir unsere Planungen ein wenig umbauen. Aber das werden wir von Morgen zu Morgen entscheiden. Also, mal schauen, was wir morgen machen.

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