Alles im Leben ergibt einen Sinn

Okay, was keinen Sinn ergibt ist, dass wir gestern vergessen haben zu berichten, dass wir noch einem Museum einen Besuch abgestattet haben. Nämlich dem Ripley’s Believe it or not. Eins von 20 Museen weltweit, in dem die Exponate des Forschers, Weltreisenden und Kuriositäten-Sammlers Robert Ripley ausgestellt werden. Eine doch recht interessant gemachte Ausstellung.

Wir waren am Morgen ein wenig spät dran, aber da wir außer unserem Ausflug nicht groß was auf der Tagesordnung hatten, war das nicht so schlimm. Zwischen uns und dem Hauptbahnhof befand sich das Hard Rock Café, auch eins unserer Musts, die wir immer ansteuern. Susanne wurde auch – wie fast immer – fündig und gut gelaunt machten wir uns im Bahnhof auf die Suche nach einem Ticket-Automaten. Die ersten beiden verweigerten ab dem Moment, wo wir bezahlen wollten, allerdings den Dienst. Also gingen wir in einen Seitenflügel des Bahnhofes, wo noch mehr Automaten und zur Not auch Schalter waren. Und da merkten wir das erste Mal den Sinn hinter den Abläufen. Eine große Werbung machte darauf aufmerksam, dass hier im Sommer eine Starbucks-Filiale aufmacht, was wir natürlich nie gesehen hätten, wenn die ersten beiden Automaten funktioniert hätten. Wer auch immer ab den Sommer nach Kopenhagen fährt, hat einen Auftrag. 😉

Nach einer dreiviertel Stunde S-Bahnfahrt erreichten wir Hillerod. Es sollte auch eine Fähre zum Schloss geben. Aber uns erschloss sich nicht, von wo. Also nahmen wir doch den Bus. Der spuckte uns direkt neben einem Souvenirladen aus, in dem wir die obligatorische Schneekugel für Heike für deutlich weniger Geld ergattern konnten. Womit die Busfahrt also auch Sinn machte.

Vor uns ragte dann die Silhouette von Frederiksborg Slot auf. Ein Wasserschloss, das von König Christian IV. im holländischen Renaissance-Stil erbaut wurde. Zu unserer Freude gab es den Audio-Guide umsonst und nachdem eine der gefühlt hundert asiatischen Reisegruppen durch den Eingang geschleust worden war, konnten wir auch endlich unseren Rundgang beginnen. Leider war die Kirche geschlossen, weil dort grade geheiratet wurde. Sehr bedauerlich, da die laut Reiseführer zu den beiden herausragenden Sehenswürdigkeiten zählt. Aber auch die anderen Räume waren nicht zu verachten. Vor allem die Deckenverzierungen hatten es uns sehr schnell angetan. In jedem Raum – und sei er noch so klein – überbordende Pracht. Etwas anstrengend war der Audioguide. Vom Sprech- und dem damit vorgegebenen Lauftempo war der eindeutig für Asiaten gemacht. Das einzige übrigens, was keinen Sinn machte an dem Tag. Denn Asiaten bekommen den nie in die Hand. Die haben ja immer einen Vorturner dabei, der sie im notwendigen Tempo durch die Räume peitscht. 😉

Im zweiten Prunkstück des Schlosses angekommen – dem Rittersaal – waren wir so mit der Betrachtung der prachtvollen Decke beschäftigt, dass wir erst gar nicht bemerkten, dass nach und nach die Asiaten verschwanden, bis Susanne zufällig beobachtete, dass sie durch eine Seitentür huschen durften. Während wir noch mindestens dreißig Räume vor uns hatten, waren die vermutlich schon im nächsten Schloss. Macht Sinn, denn sie haben ja keine Zeit. Während wir uns darüber noch königlich amüsierten, kam ein Wärter des Weges und verkündete, dass die Kirche jetzt geöffnet sei. Freudestrahlend flitzten wir den gesamten Weg zurück und dabei wurde uns klar, dass unsere späte Ankunft im Schloß damit auch wieder Sinn machte. Wir bekamen die Kirche doch noch zu Gesicht! Und es wäre wirklich verdammt schade gewesen, wenn das nicht geklappt hätte. Was eine Pracht!

Am Ende des zweiten Stockwerkes beschlossen wir, dass wir genug Stuck, verzierte Möbel und Gemälde gesehen hatten, zumal wir dem Schloßgarten noch einen Besuch abstatten wollten. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir dann auch die Fähre – die kleinste Dänemarks übrigens. Unser Plan war, noch ein wenig Park zu gucken und dann mit der Fähre zu fahren. Doch wir beobachteten, dass die Fähre wohl zu ihrer letzten Fahrt des Tages aufbrach. Also musste der Park dran glauben. Die kurze, aber schöne Fahrt führte uns auch an einem Schwan vorbei, der Andrea bei diversen Blicken aus den Fenstern schon aufgefallen war. Er rührte sich nicht vom Fleck, was sie zu der Vermutung brachte, dass er nicht echt sei. Susanne wollte das nicht so recht glauben, bis wir dran vorbei fuhren. Es war wirklich ein Plastikschwan. Lachend stellten wir fest, dass auch das Sinn machte. Zu einem prächtigen Schloß mit See und Garten gehören nun mal Schwäne, sonst ist es nicht hyggelig. Und wenn die echten nicht wollen…

Die Fähre spuckte uns beim Marktplatz des kleinen Städtchens aus und wir steuerten das nächste Café an, um die wohlverdiente Pause zu machen. Da die Pfannkuchen alle waren, beschlossen wir, den noch offenen Punkt Smorrebrod, abzuarbeiten. Das wird in Dänemark aber nur bis 17 Uhr serviert. Es war zehn vor fünf, womit unser abrupter Abbruch des Ausfluges natürlich auch wieder Sinn machte. Smorrebrod ist übrigens offenbar ein Wettstreit, wie viel Belag man auf eine Brotscheibe gestapelt bekommt. Aber sehr lecker.

Wieder in Kopenhagen angekommen, machten wir noch einen kurzen Abstecher auf den Stroeget, wo wir ja gestern nicht wirklich geshoppt hatten. Eine abendliche Recherche hatte aber ergeben, dass es einiges von dem, was wir gesehen hatten, wirklich nur in Dänemark gibt und nicht mal online erworben werden kann. Also sammelten wir alles ein, was uns Tags zuvor schon angesprungen hatte. Nach einer kurzen Pause in unserer Ferienwohnung, machten wir uns auf zum letzten Tagesordnungspunkt: dem Besuch im Tivoli, von dem wir allabendlich die spitzen Schreie bei uns auf dem Balkon hören können. Da die Fahrgeschäfte allesamt sehr halsbrecherisch und Magenunfreundlich sind, war klar, dass wir die ignorieren würden. Aber das Tivoli ist so schön gestaltet, dass es auch Spaß macht, einfach nur zu flanieren und zu gucken. Auch hier bleiben die Dänen sich treu: Hauptsache hyggelig. Und wir haben auch noch was gelernt: es gibt weiße Pfauen. Der Kollege hat sich zwar gut in der Baumkrone versteckt, aber dabei so ein Spektakel veranstaltet, dass man ihn gar nicht ignorieren konnte.

Das Abschlußfeuerwerk des Samstagabends haben wir dann allerdings schon von unserem Balkon aus genossen.

So ging ein rundum sinnvoller Tag zu Ende und heute ruft uns wieder mal die See.

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