Die letzte Nacht…

Der Samstag bestand eigentlich nur aus einem Programmpunkt: Last Night of the Proms im Hyde Park. Aber der wollte ja vernünftig vorbereitet sein. Zum Teil hatten wir damit ja zu Hause schon angefangen und die Sache mit den Stühlen hatten wir die letzten zwei Tage bekanntermaßen auch erledigt. Blieb nur noch das Picknick. Da man davon alleine aber ja nicht leben kann, haben wir uns morgens erstmal ein ordentliches englisches Frühtück geleistet.

Dann ging es zu Marks & Spencer, die ein wirklich reichhaltiges Angebot an fertig zubereiteten Speisen haben. Trotz gut gefülltem Magen konnten wir uns kaum entscheiden und so manche Leckerei wanderte in unseren Korb. Nachdem wir wirklich jedes Regal ausgiebig begutachtet hatten, war eigentlich viel zu viel in unserem Einkaufswagen. Das sahen wir zu diesem Zeitpunkt aber anders.

Zurück im Hotel mussten wir ja erstmal den Blog für die ersten beiden Tage abliefern, dann gingen wir langsam in den Vorbereitungs-Modus. Bei einem Fläschen Sekt wurden alle blau-weiß-roten Accessoires ausgebreitet und an die Frau gebracht. Vor allem die lustigen Wimpern erwiesen sich dabei als sehr widerspenstig. Aber mit genug Kleber hält alles! Mit der Perücke hatten wir ja schon vom letztjährigen Queen-Geburtstag unsere Erfahrungen. Immer noch finden wir sie todschick. Susanne musste die Wirkung dann auch mal bei einer Zigarette vor der Tür testen. Vornehmlich keine Reaktion… wie zu erwarten in einer Stadt, in der schon mal Weihnachtselfen im U-Bahnhof stehen. Doch die Leute, die reagierten, freuten sich. Nicht das letzte Mal an dem Tag.

Oben hui… unten praktisch war das Motto. Regenfest und warm sollte es sein. Regenhosen wurden gleich angezogen, alles andere in Taschen verstaut. Was uns definitiv fehlte, war ein auffälliges deutschen Accessoire, da hatten wir nur eine kleine Ansteckblume im Angebot. Ausbaufähige Rubrik…

Auf dem Weg zur Bahn haben wir noch flott Prosecco und Cidre gekauft und dann festgestellt, dass die U-Bahn, die wir brauchten, gar nicht fuhr. Zum Glück gab es eine Ausweichmöglichkeit. Je näher wir dem Hyde Park kamen, desto mehr Campingstühle kreuzten unseren Weg. Der erste Einlass ging flott, vor der Taschenkontrolle bildeten sich mehrere Schlangen, aber auch hier ging es erstaunlich zügig voran. Brav wie wir sind, hatten wir natürlich auch nur die vorgeschriebene Höchstmenge an Getränken dabei, aber man hätte ganz unten in den Taschen definitiv ein, zwei Fläschchen mehr reinschmuggeln können.

Vor uns lag nun das riesige Gelände mit Bühne und mehreren kleinen Leinwänden.  Nach vorne wollten wir ja eh nicht, also suchten wir uns ein nettes Plätzchen in der Nähe einer Leinwand.

Stühle aufgestellt, Umgbung und Entfernung zu den Toiletten gescheckt. Passte alles! Aber ohne Campingstuhl wären wir sowas von out gewesen. Es gab wirklich nur ganz, ganz wenige, die es sich mit einer Picknickdecke bequem gemacht hatten. Jetzt mussten nur noch die dunklen Wolken verschwinden, dann konnte es losgehen.

Aber es war noch etwas Zeit bis Beginn und da der Merchstand ganz in unserer Nähe stand, schauten wir da vorbei und suchten uns Orientierungspunkte zum Auffinden unserer Plätze. Mit zunehmender Menschenmenge und Dunkelheit hätten wir sonst wohl ebenso suchend umgeirrt wie viele andere Menschen um uns herum.

Unsere auffallenden Perücken waren hier nicht nur für uns sehr hilfreich. Mehrfach dankte man uns, dass wir mit den Haaren als sehr gute Orientierung fungierten.

Im Laufe des Programms lernten wir einiges über die angesagte britische Musikszene. Und im Vergleich mit dem Musikprogramm, welches zeitgleich in der Royal Albert Hall lief, hatten wir im Park eindeutig die besseren Karten. Nummer Eins-Größen der Britischen Charts, die uns zwar nichts sagten, aber das Publikum zum Toben brachten, Musical-Größen des Landes und mit Gilbert O’Sullivan und Sir Ray Davies hatte man zwei Urgesteine der britischen Musik aus dem Hut gezaubert. Alles in allem sehr spaßig und so langsam aber sicher steuerte der Abend auf seinen

Höhepunkt zu. Punkt 21.30 Uhr wurde das Innere der Royal Albert Hall auf die Leinwände geschaltet und der Spaß fing an. Für die, die die Last Night of the Proms noch nie gesehen haben… der zweite Teil besteht aus Standards, viel Mitgesinge, viel Patriotismus und viel Fähnchenschwenken. Und der Park machte natürlich enthusiastisch mit. Doch zwischen all den Union Jacks waren sehr viele europäische Fahnen zu sehen. Mehr eigentlich noch als letztes Jahr. Wieder was, an das wir nicht gedacht hatten. Für’s nächste Mal dann. 😉

Fazit: ein tolles Ereignis, war wir definitiv jedes Jahr besuchen würden, wenn es dies in Berlin gäbe. Auch die Organisation ringsherum war großartig. Die erste Veranstaltung wo man auf den Damenklos nicht groß anstehen musste.

Aber eine traurigen Moment gab es dann doch noch. Unsere treuen Stühle, mit denen wir nach so vielen Stunden doch schon sowas wie eine liebevolle Beziehung aufgebaut hatten, mussten ausgesetzt werden. Und so ein Abschied geht am besten kurz und schmerzlos. Eben noch diskutierten wir darüber, ob es nicht doch einen Weg gäbe, diese mit ins Flugzeug zu bekommen, da entdeckten wir andere Stühle an den Müllpunkten und kurz entschlossen stellten wir unsere dazu.

Ein wenig schlecht fühlten wir uns schon, aber sie blieben nicht allein im Hyde Park. Hunderte anderer Stühle wurden ebenfalls von ihren Besitzern dort zurückgelassen, so dass sie in guter Gesellschaft waren. Ein Campingstuhl-Verleih ist ganz offensichtlich eine riesige Marktlücke bei den Proms!

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