Wir kaufen die Schaufenster leer

Der Sonntag stand ganz im Zeichen Ihrer Majestät, der Queen. Diese treibt sich in Schottland rum, also darf das Fußvolk ein wenig in ihrem Palast umherwandern. Tickets hatten wir bereits Monate vorher gebucht und so machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Leider hatten wir in unserer ansonsten eigentlich perfekten Planung nicht auf dem Schirm, dass um 11 Uhr der Wachwechsel vorm Buckimgham Palast stattfindet. Menschen und Absperrungen soweit das Auge reicht und wir mussten zum Eingang natürlich einmal um den Palast rum. Und das seeehr weiträumig. Für 12 Uhr hatten wir Tickets gebucht und als braver Deutscher hat man ja Pünktlichkeit im Blut, wir jedenfalls, und so waren wir trotzdem bereits ne halbe Stunde vorher am Einlass. Viel zu früh, denn man kam natürlich erst um 12 rein.
Drinnen stand erneut warten am Securitycheck an. Aber dann ging es endlich rein. Ist schon ein kleines Schmuckstück, was sie da mitten in der
Stadt stehen haben. Die Räumlichkeiten sind natürlich sehr pompös, aber dennoch nicht erschlagend. Und man merkte ihnen auch an, dass sie genutzt werden. Sie wirkten nicht steril und wir hätten uns nicht gewundert, wenn gleich einer der Corgis um die Ecke gebogen wär.
Mit Hilfe eines Audioguides wurden wir durch 16 Staterooms und die Gemäldegalerie geführt. In jedem Jahr gibt es zudem in den Räumen noch eine Sonderausstellung.  In diesem Jahr waren es Geschenke, die die Queen im Laufe der Jahre aus aller Welt erhalten hat. Die Kleider der Queen im vergangenen Jahr wäre mehr unser Fall gewesen, aber nun gut. Manches war davon ja auch sehenswert. Irgendwie muss das den Verantwortlichen immer Schweißperlen auf die Stirn treiben, wenn sie überlegen, was man wohl der Queen schenken könnte. Auf Pferde in allen Varianten (auch in echt) kam jedenfalls nicht nur einer. Offenbar kann man die Queen aber außerordentlich mit ungewöhnlichen Ideen erfreuen. So gab es ein Foto, dass davon zeugt, wie spaßig sie es fand, zu den Commenwealth Spielen 2014 eine Akkreditierung mit Paßbild zu bekommen. She was very amused!

Am Ende des Rundgangs fanden wir uns in dem Teil des Gartens wieder, der auch für die Garden Parties genutzt wird. Für einen Kaffee im Garten war es allerdings zu windig. Wir haben uns lieber in den temporären Merchladen verkrümelt. Königliche Souvenirläden haben wir ja in den diversen Londoner Schlösser bereits hinlänglich besucht, aber jeder ist individuell und vorallem ändert sich auch das Sortiment immer. Waren wir vor zwei Jahren im Kensingtonpalast noch ganz entzückt, dass es Pins von den königlichen Corgis gab, haben diese nun eine eigene Merchlinie. Inclusive Krimskrams für den eigenen Vierbeiner. Merch können se!

Runter von dem Gelände kamen wir schließlich am völlig anderen Ende und nicht ansatzweise da, wo wir vermutet hätten. Susanne jammerte auf dem 10minütigen Spaziergang durch den royalen Park immer, dass wir nun am gaaaanz falschen Ende rauskommen. Andrea jedoch hatte ihre helle Freude an den kleinen Seen und vielen Bäumen und genoss jede Minute des Weges. Wieder auf der Straße stellten wir fest, dass wir genau an der richtigen Stelle standen, um weiter zum Hard Rock Café zu bummeln.
Genauer gesagt wollten wir natürlich nur in den Shop. Ein Shirt, welches Andrea unbedingt haben wollte, war nicht mehr im Sortiment. Naja, als Entschädigung musste dann halt was anderes in die Einkaufstüte.
Nach stundenlangem Umherlaufen war es nun dringend Zeit für eine Pause.
Leichter gesagt, als getan. Ins Hard Rock Café wollten wir nicht, aber mit Cafés sieht es in der Ecke eher mau aus. Also liefen wir in Richtung Picadilly Circus. Schmerzende Füße und Koffeinmangel wurden immer stärker. Irgendwann saßen wir dann endlich und hatten Kaffee vor der Nase.
Der Plan sah vor, dass wir anschließend ins Fortnum & Mason Kaufhaus gehen. Hoflieferant und somit wollte hauptsächlich Andrea da unbedingt rein. Leider war die Pause nicht lang genug. Die Füße schmerzten so doll, dass Andrea keine Lust mehr hatte. Auch wenn das Objekt der Begierde so nah war. Irgendwie werden wir nicht jünger. Manche Dinge gehen nicht mehr so wie vor ein paar Jahren. Kommt dann halt auf die Liste für die nächsten Male. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel waren wir vorrangig auf der Suche nach einem Getränk und später auch Essen. Die Pubs bei uns um die Ecke waren wegen Überfüllung geschlossen, doch Google Maps verriet uns, dass es da noch was gab. Wieder eine Ecke, in der wir in unserer Nachbarschaft noch nicht waren. Ein netter Pub und gleich noch zwei Resaurants entdeckt, die auch auf die Liste kommen.

Wieder im Hotel widmeten wir uns dem unangenehmen Teil des Koffer packens. Am nächsten Morgen noch schnell den Rest verstaut, das Gepäck in der Lobby abgestellt und auf ging es in den letzten Tag. Als erstes stand das Sherlock Holmes Museum auf unserer Liste und zum Glück waren wir sehr früh dran, denn das Haus in der Baker Street ist klein und das Interesse groß. Zurecht, denn die Ausstellung ist wirklich schön gemacht und sehr unterhaltsam. Tickets musste man übrigens im Museumsshop kaufen und Susanne kam aus dem ganz aufgeregt wieder raus. Natürlich haben wir uns den nach der Tour nochmal ganz in Ruhe angeguckt und Susanne verließ ihn mit zufriedenem Grinsen und einem Beutel voller Beute. Um dies zu erreichen, schreckte sie nicht mal davor zurück, arme Angestellte in die Schaufenster zu scheuchen, weil das Objekt der Begierde nur noch dort vorhanden war.
Das mit dem Schaufenster hatte super funktioniert, also hat sie das ein Haus weiter bei einem tollen Buchladen gleich nochmal probiert. Auch hier mit Erfolg, endlich hat sie einen Royal Guard, der dem Entenhaufen im Badezimmer Zucht und Ordnung beibringen wird.
Wieder kamen wir nur wenige Häuser weiter, denn der Kaffeedurst packte uns und wir kehrten im nächst besten Café ein. Ein Glücksgriff, wie sich rausstellte, als Susanne vorsichtig nach Prosecco fragte. Zwei Gläser für sieben Pfund. Findet man sehr selten in London. Das Schild mit dem Angebot holten sie übrigens von der Straße, nachdem wir die zweite Runde bestellt hatten.

Aber wir hatten ja noch ein bisschen was vor und beschwingt machten wir uns auf den Weg nach Camden Town. Das übliche Gucken nach Docs und eigentlich stand auch noch der Besuch der zwei Gothic Läden auf der Liste. Die gibt es allerdings nicht mehr und auch insgesamt hat sich die Ecke ziemlich verändert. Gefühlt bieten alle Läden mittlerweile das Gleiche an, sehr Mainstream. Jedenfalls auf der Camden Street. Mag sein, dass das in den Staples noch anders aussieht, aber für die hatten wir diesemal nun wahrlich keine Zeit. Aber gut, ein paar Docs und eine Tasche wechselten den Besitzer. Immerhin etwas.

Noch schnell was gegessen, Koffer geholt und dann ging es nach Heathrow. Bei Ankunft sahen wir schon, dass einige Flüge gestrichen waren, auch Teilflüge von unsere Maschine. Aber unsere Flugnummer stand noch dran. Während der Zigarette vor der Tür kam dann allerdings die SMS, dass unser Flug gestrichen wurde und wir auf morgen Mittag umgebucht wurden. Das dann allerdings ab London City Airport. Also mussten wir uns in einer riesigen Schlange anstellen, um zu erfahren, wie es weiter geht. Jetzt sitzen wir in einem dieser Schlafbunker direkt am Flughafen, hören anderen Maschinen beim Starten zu und fragen uns immer noch, welches Wetter angeblich dafür gesorgt hat, dass unsere und einige andere Maschinen nicht fliegen konnten.
Morgen müssen wir durch die komplette Stadt zum anderen Flughafen und können nur hoffen, dass da dann alles funktioniert. Drückt uns die Daumen.

 

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