Von Ontario nach Quebec

Sonntag war Reisetag. Aufgrund der Wohnsituation in Morrisburg hatten wir beschlossen, unser Frühstück bei Tim Horton‘s zu uns zu nehmen. Zumal wir da noch nicht waren, obwohl wir schon seit Mittwoch im Land sind. Geht gar nicht! Zur Erklärung für die, denen der Name nichts sagt. Dahinter verbirgt sich die größte kanadische Kaffee- und Fast-Food-Kette, die von einem ehemaligen Eishockeyspieler gegründet wurde. Ein Blick auf die Uhr und das Navi und wir entschieden uns weiter für die Landstraße. In Cornwall sollte es eine interessante Kirchenruine geben, an der wir noch einen Zwischenstopp machen wollten. Viel interessanter war allerdings erstmal der riesige Wallmart, der uns am Ortseingang auflauerte. Da wir Zeit hatten, haben wir ihn uns ausführlich angeguckt und auch gleich unseren Proviant aufgefüllt. Um diese Kirchenruine hätte in Europa niemand Aufsehen gemacht. Erbaut 1821, abgebrannt 1966 – Daten, die bei uns niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Aber die Gegend war ganz nett.

Wir blieben der Landstraße treu und bei bestem Reisewetter zuckelte wir am St. Lorenzstrom entlang Richtung Norden. Den Bäumen kann man mittlerweile dabei zugucken, wie sie langsam die Farbe wechseln. Wir werden den Höhepunkt des Indian Summer noch miterleben, so wie es aussieht. Und schon jetzt sieht es teilweise fantastisch aus. Völlig unspektakulär waren wir plötzlich in der Provinz Quebec. Kein Schild, gar nichts. Wir merkten es nur daran, dass die Verkehrsschilder und die Werbung plötzlich in Französisch waren. Die Verkehrsregeln sind im Großen und Ganzen die gleichen, allerdings liebt der Frankokanadier Stoppschilder. Hier spart man Ampeln und stellt lieber Stoppschilder auf. Heike hat jetzt eine Stoppschildphobie. 😉

Nach Montréal rein zu fahren war ein ziemliches Gewühle. Viele Autos, viele Baustellen und eben viele Stoppschilder. Aber wir haben unsere Ferienwohnung ohne Verfahren gefunden und auch das System der Tiefgarage kapiert. Die Wohnung ist hübsch und wirklich zentral gelegen. Nach einem Kaffeepäuschen mussten wir allerdings doch nochmal zum Supermarkt, denn uns fehlte Pfeffer und Salz.
Wie praktisch, dass sich nebenan gleich der Alkoholshop befindet. Angeblich soll dieser in der Provinz Quebec etwas günstiger sein. Also nix wie rein und Preise und Angebot verglichen. Manches war ein klein bisschen billiger, anderes nicht. Aber wir hatten erst einmal eine Orientierung. Der Supermarkt allerdings war dann schon eine kleine Überraschung. Wir merkten sofort, dass wir uns im französischen Teil Kanadas befinden. Deutlich europäischer. Dass Essen hier zur Lebenskultur zählt, ist sofort sichtbar. Eine eigene Delikatessenabteilung, eine kleine Alkoholabteilung, ein umfangreiches Käse- und Wurstsortiment. Schon ein Unterschied zu den Supermärkten in Ontario. Übrigens wird Alkohol hier auch nicht diskret in kleine braune Papiertüten verpackt. Fasziniert schlenderten wir durch die Regale und natürlich blieb es nicht beim Pfeffer und Salz.
Den Abend ließen wir dann wieder entspannt beim Kochen und einem Döschen Cider ausklingen.

Für heute stand nun endlich etwas Sightseeing auf dem Programm. Sanne führte uns in die Altstadt von Montréal. Nachdem wir kurz vorher noch anmerkten, dass uns bisher kein einziger Souvenirladen begegnet war, reihte sich nun einer an den nächsten. Ahornblätter, Elche, Eisbären und Hockey wurde auf so ziemlich alles gedruckt, was sich irgendwie verkaufen lässt. Und so dauerte es ich nicht lange, eh die ersten Dinge in unseren Besitz übergingen. Das ganze eingebettet in eine sehr französisch anmutende Altstadt, durch die es sich wunderbar schlendern lässt. Bei Starbucks probierten wir endlich unseren ersten Pumpkin Spice Latte, ehe wir uns weiter durch die Läden wühlten. Selbst in kleinen Delikatessläden findet man hier übrigens Eishockeykram. Positiv bekloppt diese Kanadier. Und es bleibt auch in Quebec dabei: sie sind einfach verdammt nett, offen und witzig. Susanne führt so ziemlich mit jedem Einheimischen, mit dem wir es zu tun bekommen, ein kurzes Gespräch.
Nach einem Abstecher zum Hafen waren wir dann aber genug gelaufen und arbeiteten uns über den Supermarkt zurück zu unserer Wohnung. Gleich wird gekocht und morgen erkunden wir zwei ganz andere Ecken von Montréal.

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