Der Wetterbericht hatte einen sonnigen Herbsttag vorausgesagt – perfektes Wetter um auf der idyllischen Chemin du Roy (zu deutsch: Königsstraße) Richtung Trois-Rivières zu fahren. Links von uns tauchte immer wieder das – im Sonnenschein glitzernde – Wasser des St. Lorenz-Stromes auf. Auch die Laubbäume zeigten sich im Sonnenlicht in ihren schönsten Farben.Was die Dame auf der hinteren Sitzbank immer wieder entzückt aufquietschen ließ. Die kleinen Örtchen, die wir passierten, waren auch nicht gerade hässlich. Lässt sich schon nett leben an diesem Flußufer. Lustig ist, dass quasi kein Haus ohne Veranda auskommt, Gerne ums halbe Haus herum. Dazu Treppen, bei denen man sich fragt, wie die das eigentlich bei Schnee machen und den gibt es bekanntermaßen im Winter dort reichlich. Es gibt sogar extra Straßenschilder, die vor kreuzenden Schneefahrzeugen warnen.
Nach einiger Zeit hatte Andrea die Nase voll davon, die schöne Aussicht immer nur durchs Fenster zu betrachten. Sie wollte eine Pause am Wasser! Heike lieferte, wie gewünscht und wählte den wohl schönsten Rastplatz der Straße aus. Bänkchen direkt am Wasser, ein hektisch durch die Gegend flitzendes Streifenhörnchen inklusive. Das putzige Tierchen kam die Treppe schneller hoch, als wir es je schaffen würden. Leider war es auch zu schnell für die Kamera, obwohl es uns zweimal besucht hat, während wir da saßen und die Aussicht genossen.
Aber es half nichts, wir mussten weiter, denn der örtliche Supermarkt schloss irgendwann seine Tore und ein bisschen was brauchten wir noch. Nach unseren tollen Erfahrungen mit dem Wal-Mart in Cornwall , war er auch in Trois-Rivières der Laden unserer Wahl. Aber das war ein Reinfall auf der ganzen Linie. Unübersichtlich, enge Gänge, wenig Auswahl, frisches Zeug gab es auch nicht und den Alkohol hatten sie so gut versteckt, dass wir ihn nicht gefunden haben. Muss man sich mal vorstellen!
Aber eine süße Bedienung, die sehr bemüht ihre dreieinhalb Brocken Englisch auspackte. Hier wird nämlich vorwiegend französisch geredet. Alle Schilder sind einsprachig, auch in unserer Ferienwohnung ist alles auf Französisch. Scheint ne kleine Enklave zu sein. Zu unserer Entschädigung gab es neben dem Wal-Mart einen Sportladen, in dem es ein unfassbar großes Angebot gab. Soviel Hockey- und Baseballequipment hatten wir noch nicht gesehen.
Unsere Unterkunft hielt absolut, was sie bei Airbnb versprochen hatte. Wir haben ein schnuckeliges zweistöckiges Haus komplett für uns alleine. Super schön eingerichtet, perfekt ausgestattet und mit zwei Terrassen. Da unser Plan für diese Stadt war, ein wenig durchzuschnaufen, ist das genau das richtige! Da der Wal-Mart ja nicht mit uns spielen wollte, sind wir nochmal flott zum nächsten Supermarkt gefahren. Der hat uns dann allerdings ziemlich geflashed. So eine Auswahl hatten wir bisher auf der ganzen Reise noch nie. Lustig waren die Regale mit dem internationalen Angebot. Heike inspizierte das Europa-Regal. Croissants, Croissants, Croissants. Ähm… Italien hatte drei eigene Regale, dazu ein Mediterranes und noch ein bisschen vom Rest der Welt. Deutsche Süßigkeiten gab es auch genug.
Wir hatten aber wenigstens alles, was wir für die zwei Tage hier brauchten. Nach einem Abendspaziergang in der untergehenden Sonne zum St.-Lorenz-Strom konnten wir es uns endlich in unserem Quartier gemütlich machen.
Den heutigen Sonntag haben wir dann auch als solchen verbracht. Nach einem entspannten Frühstück, zu dem wir uns eine Flasche kanadischen Sekt gegönnt haben, stand Waschtag auf dem Programm. Lustig, so riesige fremde Waschmaschinen. Gemeinschaftlich diskutierten wir alle Befehle durch, dann ging sie ab, die wilde Fahrt unsere Wäsche. Viel spannender aber natürlich die Frage: wie geht das mit dem Trockner. Andrea hatte Angst, dass wir alles neu kaufen müssten, weil es einläuft. Susanne beruhigte sie, Heike schmunzelte. 40 Minuten später waren wir schlauer: Wäsche trocken, nicht eingelaufen, alles schön.
Schließlich rafften wir uns auf, um doch noch ein wenig die Stadt zu erkunden. Kevin hatte recht, hier gibt es wirklich nicht viel, aber uns reicht ja ein offener Laden, um Geld auszugeben…
Trois-Rivières ist irgendwie eine komische Stadt. Sie ist die älteste Industriestadt Kanadas und bekannt für Papier- und Textilindustrie. Seit den 1990ern mussten allerdings immer mehr Fabriken schließen und alles wirkt ein wenig trist. Viele Häuser stehen auch leer, schön ist es wirklich nicht. Also traten wir den Rückzug in unsere Unterkunft an. Mit der frisch gewaschenen Wäsche wurden die Koffer nochmal umgeschichtet. Noch ist bei uns allen Platz.
Die Bedienungsanleitung für den Aussen-Whirlpool lässt sich zwar dank Google Translate übersetzen, sagt aber nur, was man nach Benutzung machen soll. Nicht, wie man das Teil benutzt. Der massive Chlorgeruch, gepaart mit den frischen Temperaturen draußen, schreckte uns zusätzlich ab. Whirlpool ist abgewählt, auch ohne lässt es sich hier gut aushalten.
Jetzt kochen wir uns was feines und morgen geht es dann weiter nach Ottawa, also zurück nach Ontario. Geplant ist auch noch ein spannender Zwischenstopp, jedenfalls, wenn das Wetter mitspielt.