Aber der Reihe nach…
Es war in der Urlaubszeit auch mal nett, das Frühstück serviert zu bekommen und wir genossen es. Und Susanne kam sehr erstaunt von ihrer morgendlichen Zigarette wieder hinein. Denn, obwohl die Wasserfälle ungefähr eine halbe Stunde Fußweg von unserer Unterkunft entfernt waren, war das Rauschen auch dort noch laut und deutlich zu hören. Ohne weitere Verzögerung fuhren wir rüber in das schöne Örtchen Niagara-on-the-Lake. Da wir noch vor Öffnung der Läden dort waren, schlenderten wir ein wenig die hübsche Hauptstraße entlang. Punkt 10 standen wir dann vor dem örtlichen Weihnachtsladen, der uns schon hinlänglichst empfohlen wurde.
Schöne Dinge, die auch wir erprobten Weihnachtsfans zum Teil noch nicht gesehen hatten. Aber trotz allem blieb die ganz große Attacke auf unsere Geldbörsen aus. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen und stöberten durch die wirklich entzückenden Geschäfte. Dann fiel uns ein, dass es Sonntag war und wir noch ein paar Dinge einkaufen sollten.Wir brauchten Abendessen, Milch für den Kaffee und natürlich Cider. Erste Anlaufstelle war der Liquor Store. Erste Überraschung, der Cider stand im begehbaren Kühler- absolutes Highlight: es gab hier endlich wieder unseren Lieblingscider!! Also nicht nur irgendein Cider von Growers, nein unsere absolute Lieblingssorte, der wir bereits seit Kingston (was so ziemlich der Anfang unserer Reise war) hinterher liefen. Jubel und Freudentanz waren eins (hoffentlich war die Überwachungskamera nur eine Attrappe) und dann wurde überlegt, wie viele wir mitnehmen. Nach jetzigem Stand haben wir unseren Durst unterschätzt.
Nach knapp 3 Stunden fuhren wir weiter. Nicht weit allerdings. Wir hatten entdeckt, dass das Weingut von Wayne Gretzky nur knapp 10 Minuten entfernt war und auf unserem Weg lag. Also hielten wir auch hier für einen kurzen Zwischenstopp. Ein hübsches Anwesen hat „The Great One“ dort hingebaut, wo einst das Weingut seiner Großeltern lag. Man kann natürlich alle möglichen Führungen und Verkostungen machen, die wir aus Gründen ignorierten. Im Inneren des Gebäudes gibt es jede Menge Bilder, Schautafeln und Ausstellungsstücke, die die außerordentliche Karriere eines der besten Eishockeyspieler aller Zeiten beleuchten. Und der kleine künstlich angelegte Teich im Garten hat nicht nur zufällig die Form einer Eishockeyeisfläche, im Winter wird er eben als solche genutzt. In den Shops gab es natürlich die Weine und anderen Alkoholika zu kaufen. Aber logischerweise wissen sie auch darüber hinaus mit der Nummer 99 Geld zu machen. Kein netter Laden, nein. Gar kein netter Laden. Doch Kontostand und Koffergewicht machen uns ja zum Glück immer häufiger einen Strich durch die Rechnung. Kleinigkeiten müssen als Erinnerung reichen.
Dann ging es zurück ins Auto und nach Toronto, der letzten Station unserer Reise. Apartment finden, ausladen und Wagen wegbringen. Ach ja… und einen Supermarkt finden. Heike und Susanne kennen sich seit Sonntag Nachmittag bestens aus in der Gegend rund um unsere Wohnung. Der restliche Abend stand im Zeichen der Aktion: alles mal auspacken, sichten und vorpacken. Oder auch von A nach B und wieder zurück packen. Machen wir vermutlich noch drei Mal bis Mittwoch früh. Nach allen anderen Stationen ist Toronto der Einstieg zurück in die Realität. Großstadt halt.
Der heutige Tag begann mit einem Besuch der Hockey Hall of Fame. Nicht umsonst nennen sie dieses Gebäude „Tempel“. Kanada ist Eishockey – Eishockey ist Kanada. Das, was wir in den drei Wochen an allen Ecken und Enden gesehen und gespürt haben, manifestiert sich in dieser Ruhmeshalle. Einmal Eintritt gezahlt, kann man den ganzen Tag rein- und rausspazieren soviel man möchte. Schon cool. Ausgiebig erkundeten wir Raum für Raum und staunten und bewunderten immer wieder die Bandbreite der Ausstellungsstücke. Schläger, Pucks, Ausrüstungsgegenstände, okay… aber es gab auch schnell auf Hotelpapier geschriebene Verträge, Sammelkrams in allen Varianten, den Nachbau der Umkleidekabine der Canadians, ein Stück der alten Sitzplatztribüne des alten Maple Leafs Garden. Selbst die berühmten Hockeyfilme hatten ihre eigene Vitrine. Neben den ganzen Ausstellungsstücken, kann man aber auch selbst aktiv werden und sich je nach gusto als Goalie oder Penaltyschütze versuchen.
Herzstück ist natürlich die große Halle, in der die Mitglieder der Hall of Fame und sämtliche Trophys präsentiert werden, die es so gibt. Im Mittelpunkt logischerweise die älteste Sporttrophäe der Welt, der Stanley Cup himself. Ein kleines Paradies für Eishockeyfans. Geschickt sind sie ja immer in diesen Museen, der Ausgang führt immer durch den Shop. Immer! Mööf. Naaaaa gut.
Anschließend brauchten wir ganz dringend einen Kaffee und einen unserer geliebten Honey Cruller. Wie praktisch, dass dieser Tim Hortons eine Filiale gleich neben der Hall of Fame hat. Dann hieß es warten, denn Susanne hatte ein Date mit Bruno Gervais, einem ehemaligen Verteidiger der Eisbären. Dafür, dass er sich verspätet und eigentlich nicht viel Zeit hatte, hatte er dann doch überraschend viel Zeit und war extrem neugierig und redselig. Schön wars.
Alle Läden, inklusive Supermarkt, die wir dann noch ansteuern wollten, nahmen Thanksgiving als Feiertag ernst und hatten geschlossen. Gut, dann halt morgen.
So hatten wir Zeit für eine kurze Pause in unserer Unterkunft, eh wir zum CN-Tower aufbrachen. Auf dem Weg checkten wir im Intercontinental-Hotel kurz die Möglichkeit ab, unser Gepäck am Mittwoch dort unterzustellen. Es gibt nämlich seit 9/11 keine Gepäckfächer mehr in den Bahnhöfen und die Dienstleister, die Gepäckaufbewahrung anbieten, nehmen gesalzene Preise. Gegen einen überschaubaren Obulus kann man im Interconti auch als Nicht-Gast seine Sachen unterstellen. Diesen Service werden wir dann wohl in Anspruch nehmen.
Der CN-Tower war gleich um die Ecke und da wollten wir hoch. Wir hatten die frühen Abendstunden gut gewählt, denn unten am Einlaß war recht wenig los. Oben merkte man zwar, dass es kurz vor Sonnenuntergang war, denn auf der einen Seite der Aussichtsplattform tummelten sich reichlich Leute. In 58 Sekunden hatte der Fahrstuhl uns auf 346 Meter gebracht, wo sich uns ein spektakulärer Blick auf die Stadt bot. Die untergehende Sonne tauchte alles in ein tolles Licht, was es zum fotografieren allerdings nicht so einfach machte. Aber die Sicht war toll.
Ein Stockwerk darunter gab es auch einen Glasboden, der den Blick direkt in die Tiefe lieferte. Nur Andrea war mutig genug diesen zu betreten, die anderen beiden verzichteten dankend. Dann ging es noch einmal auf die untere Aussichtsplattform, diesmal an der frischen Luft, was eine recht windige Angelegenheit war. Beeindruckt beobachteten wir auf dem City Airport die Starts und Landungen der Flugzeuge, was aufgrund der kurzen Start- und Landebahn recht spektakulär aussah. Nachdem wir den Blick in alle Richtungen ausgiebig genossen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Da Montag in Kanada Thanksgiving war und wir uns sowieso ein Abschluss-Abendessen gönnen wollten, hatten wir uns einen Tisch im Wayne Gretzky’s reserviert. Konsequent – schließlich verfolgt uns die Nummer 99 ja schon die ganze Zeit. Eine Sportsbar, in der es von Ausstellungsstücken nur so wimmelt und die lecker Burger anbietet. Mit gut gefüllten Bäuchen machten wir uns auf den Heimweg und ließen den Abend mit einem Cider ausklingen.