„Sie sind so deutsch!“

Tag 3 führte uns in den Hafen von Edinburgh, um den letzten und für Andrea wichtigsten Ort zu besichtigen – die königliche Yacht Britannia. Nachdem das Land den Unterhalt der Yacht nicht mehr finanzieren wollte, wurde sie 1996 außer Betrieb genommen und liegt seitdem als Museumsschiff im Hafen von Edinburgh. Und wieder war der Audioguide recht kurzweilig mit einigen amüsanten Geschichten rund um die königliche Familie und die Besatzung der Yacht. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass man in einer der Offiziersmessen gerne Wombat-Tennis gespielt hat. Der Mannschaft wurde einmal von einer Frau einen großer Stoffwombat geschenkt. Sie war felsenfest davon überzeugt, dass er dort wohlwollend und liebevoll behandelt würde. Die Mannschaft hatte offensichtlich andere Vorstellungen von „liebevoll“. Man nehme einen Wombat, zwei Tennisschläger und einen Deckenventilator… Auf der Krankenstation einige Stationen später auf dem Rundgang sahen wir dann ein Foto von einer Not-OP des Wombats… tsis!

Viel Spaß hatte die Museums-Crew offensichtlich daran, überall auf dem Schiff die süßen Stoff-Corgis zu verteilen, die zur offiziellen Merchlinie gehören. Die steckten wirklich überall. Leider erfuhren wir erst am Ausgang, dass es natürlich eine Ralley dazu gab. Corgis zählen, Plakette abholen und an einem Gewinnspiel teilnehmen. Verflixt!

Aber, wo wir schon mal im Shop waren…

Ganz nebenher warteten wir auf die Ankunft von Stef und Yvi, die ja heute zu uns stoßen sollten. Eigentlich hätte alles super gut funktioniert. Kurzer Zwischenstopp in unserer Ferienwohnung, Mädels in Empfang nehmen, zurück zum Hafen. Wir hatten bei Lind and Lime eine Ginführung gebucht. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt.

Der Flug der Mädels war drei Stunden verspätet und bereits auf dem Weg zur Wohnung war klar, dass eine Übergabe des einzigen Schlüssels nicht klappen würde. Also Planänderung. Nach einem kurzen Telefonat haben wir die Tour kurzerhand auf Freitag Mittag verschoben.

Einen Kaffee und einiges Palaver später machten wir uns wieder auf den Weg. Getrennt zunächst, da die Mädels noch in den Supermarkt wollten. Wir standen leider das zweite Mal vor geschlossenen Türen des Shops vom Parlament (ja, in Großbritannien hat alles und jeder nen Shop), müssen wir dann wohl nochmal probieren, da Sanne da was kaufen möchte. Kurze Zeit später waren wir dann wieder zu viert und schlenderten die Royal Mile entlang. Wir hatten – auf Wunsch einer einzelnen Dame – Plätze in einem Pub mit Live-Musik reserviert. Auf den Bildern sah das alles schick aus. Aber als wir lernten, dass die Live-Musik erst um 22 Uhr starten würde, plus der Blick auf die Preise in der Speisekarte und den Tellern am Nebentisch, beschlossen wir kurzerhand, es bei einem Cider zu belassen. Der Kellner war zwar pissed, aber das ist sein Problem. Dea und ich brachten die Mädels in den Pub, wo wir am ersten Abend gegessen hatten. Was wahrlich eine gute Entscheidung war!

Die Überschrift resultiert übrigens aus einem Dialog von Susanne mit einem Busfahrer. Wir standen etwas verloren an der Bushaltestelle am Hafen, als wir zurück wollten. Riesige Baustelle und es war nicht ersichtlich, wo wir hin mussten. Es kam der Bus aus der Stadt und blieb stehen, Türen aber zu. Irgendwann gingen sie wieder auf und Susanne flitzte zum Busfahrer, um ihn zu fragen, wo die Haltestelle in die Stadt sei. Welchen Bus wir denn bräuchten. Na, den hier. Na, dann steigt doch ein. Breites Grinsen. Susanne zückte stolz ihr Handy und präsentierte ihr Ticket. Noch breiteres Grinsen. „You are soooo German!“

Tag 4

Empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Stef und Yvi wollten auf den Arthurs Seat kraxeln, wir machten uns erneut auf den Weg Richtung Hafen zur Gin-Distillery von Lind and Lime. In der Vorbereitung der Reise hatten wir drei Distillen in Edinburgh zur Auswahl. Edinburgh Gin hatte Andrea sofort abgewählt, ihr mundet eine der vielen Sorten nicht und somit war sie sehr voreingenommen (das wird hier im Laufe der Reise auch nicht besser). Pickering Gin war zu weit weg, so blieb nur Lind and Lime. Ein Gin, den wir bereits kannten und der uns schmeckt, perfekt also. Wir hatten ja bekanntermaßen umgebucht, aber keine Bestätigung bekommen. War aber alles kein Problem. Dann nahm uns Stewart in Empfang, ein knuffiger, bärtiger junger Mann mit wunderbar rollendem R. War am Anfang nicht ganz leicht, ihn zu verstehen, aber irgendwann hatte Susanne sich eingegroovt. Und es folgten tolle 2 Stunden. Zur Begrüßung gab es erstmal einen Gin Tonic, während uns Stewart die Geschichte der Destille erzählte, wir die einzelnen Bestandteile des leckeren Getränkes präsentiert bekamen und er den Prozess des Ginbrennens erläuterte. Wenn man nur eine Gin-Sorte herstellt, kann man natürlich nicht wirklich ein Tasting anbieten. Aber Lind and Lime sind da sehr kreativ. Als nächstes konnte nämlich jeder von uns sein eigenes 5cl-Fläschchen abfüllen und mit Etiketten bekleben. Dann ging es an einen bereits gedeckten Tisch, wo wir uns unter Anleitung einen Gimlet gemixt haben und noch was über die Zukunftspläne hörten. Die eigentliche Leidenschaft der beiden Besitzer ist natürlich Whisky… wie überraschend in Schottland.

Draußen im Shop wartete dann noch eine kleine Kostprobe des Sherrys und des Ports, den sie ebenfalls produzieren. Der Port wusste Susanne zu überzeugen. Genauso wie einige andere Dinge in dem Shop. 

Stef und Yvi waren mittlerweile vom Berg runter, wollten aber in die Royal Mile, die wir beide gefühlt schon fünf mal rauf und runter gelaufen waren. 

Wir hatten vom Castle aus eine sehr imposante Kathedrale gesehen, zu der wir uns dann auf den Weg machten. Als wir aus dem Bus ausstiegen, wurden wir allerdings von zwei anderen Kirchen (Kirchen können sie hier…) und einem wunderschönen alten Friedhof abgelenkt. Also gab es kurzerhand eine Planänderung. Der Friedhof und die dazugehörige Kirche ist die älteste Kirchenanlage in Edinburgh und liegt malerisch am Fuße des Castles. Die Kirche entpuppte sich als relativ schlicht, bestach aber durch ein wunderschönes Relief über dem Altar und eins von fünf Tiffany-Fenstern in Großbritannien. Sehr schön. Dann wollten wir uns die daneben ansehen. Die will aber offensichtlich keine Besucher. Sie ist nur drei Tage in der Woche geöffnet und das auch nur von 12 bis 14. Okay, dann eben nicht. Schräg gegenüber war der große Johnny Walker-Laden. Ein Whisky, von dem man gerne mal vergisst, dass er aus Schottland kommt. Wir verorten den immer nach Amerika. Die haben da einen recht imposanten Laden hingebaut, den wir uns zwar angeguckt haben, aber die Kreditkarte blieb in der Tasche. So langsam wurde es aber auch Zeit… wir hatten ja noch ein Abendprogramm. 

Also fuhren wir zurück in die Wohnung, um unsere Einkäufe abzuwerfen und unseren Füßen eine kurze Pause zu gönnen. Dann trafen wir Stef und Yvi, um unseren abendlichen Spaziergang durch Edinburgh anzutreten. „Die dunkle Seite – Edinburghs Mörder und Monster.“ Klang vielversprechend. Unser Guide Urs war ein sehr enthusiastischer Erzähler, der vor 10 Jahren von Österreich nach Schottland gezogen war. Die Tour führte uns eine Route entlang, die wir alleine nie gefunden, geschweige denn genommen hätten. Rauf auf den Carlton Hill mit Postkartenblick auf die Stadt, verschlungene Pfade wieder herunter. Nebenher erfuhren wir, dass der Boden unter Edinburgh mit Leichen gepflastert ist. Die Einwohner nennen es gerne Leichen-Lasagne: Erde, Leiche, Erde, Leiche… Als Leiche war man allerdings auch auf dem Friedhof nicht sicher, denn die Mediziner zahlten für frische Leichen, um an ihnen zu forschen. Und neben dem Pub, in dem wir gestern Abend noch gesessen hatten, wurde eine inzestuöse Familie inhaftiert und zum Tode verurteilt, die unzählige Morde begangen hatte, um sich von den Leichen zu ernähren. Wild hier in Edinburgh! Am Ende der Tour gab es noch kurz ein Highlight für die Fans der Outlander-Serie unter uns – Jamies Druckerei. Dann waren wir aber wirklich durch mit dem Tag. Schnell noch eine sehr leckere Pizza geholt und den Abend ausklingen lassen. 

Der Versprecher des Tages geht übrigens an Andrea: „Diesen Körper hinzurichten, dauert nur zehn Minuten.“ Das steht keineswegs im Zusammenhang mit der abendlichen Tour, aber zwischen herzurichten und hinzurichten ist halt nur ein Unterschied von zwei Buchstaben.

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