Alles eine Frage der Ebene

Tag 5

Ganz leichter Regen begleitete uns in die Altstadt. Trotz aller Vorhersagen sind wir davon bisher verschont geblieben. Den ersten Stopp legten wir beim Scottish Parliament ein. Bereits am ersten Tag hatte Susanne im Schaufenster des Parlamentsshops etwas entdeckt, leider war er bereits geschlossen. Am dritten Tag verfehlten wir den letzten Einlass ins Parlament um zwei Minuten. Nun also der letzte Versuch. Da der Shop nur von innen zu erreichen war, mussten wir den kompletten Sicherheitscheck am Einlass durchlaufen. So sicher haben wir uns noch nie in einem Laden gefühlt. Aber es ging schnell und wo wir schon mal drin waren, haben wir uns natürlich auch die kleine Ausstellung und den wirklich sehenswerten Sitzungssaal angesehen. Dort fielen uns Designelemente in Form von Flaschen auf, die es überall gab. Schnell fanden wir heraus, dass es sich hierbei nicht um Flaschen handelte, sondern die Form sollte Menschen darstellen. War jetzt nicht unsere erste Intuition – das waren eindeutig Whiskyflaschen – aber gut. Schnell eine Runde durch den Shop, dann ging es weiter. Und ab nun ohne Regen.

Wir machten uns auf den Weg zum Greyfriars Kirkyard – mit kurzem Zwischenstopp am National Museum Scotland. Eigentlich hatten Stef und Yvi das besuchen wollen, aber Ryanair machte ihnen ja einen Strich durch die Rechnung. Wenigstens den Shop haben wir dann aber besucht. Es gibt nichts schöneres als Museums-Shops!

Der Greyfriars Kirkyard liegt im Herzen Edinburghs und beherbergt einige interessante Leichen. Zum einen die von Bobby und dessen Herrchen. Bobby war ein Skye Terrier, der von 1858 bis zu seinem eigenen Tod 1872 am Grab seines Herrchens wachte. So sagt es die Legende. Vor dem Friedhofseingang steht natürlich auch eine Statue von dem kleinen Kerl. Mit blank polierter Nase, denn angeblich bringt es Glück sie zu reiben. Dies ist aber auch der Friedhof, auf dem sich J.K. Rowling einige Inspirationen für Namen in ihren Harry Potter Büchern geholt hat.

Entsprechend viele Fans waren hier unterwegs, auf der Suche nach den Gräbern. Ein paar haben wir natürlich auch gefunden, aber einfach war es nicht. Am Ende des Friedhofs liegt die George Heriot’s School, die als Vorbild für die Zauberschule Hogwarts diente.

Weiter ging es zur Victoria Street, die mit ihren kleinen Läden und ihrer Enge sofort an die Winkelgasse bei Harry Potter erinnert. Natürlich gab es auch einige Läden für Harry Potter Fans, aber sehr viel Neues konnten wir da nicht entdecken und unsere Geldbeutel wurden geschont. Also… fast alle Geldbeutel. Da uns mittlerweile allen die Füße schmerzten, machten wir eine kleine Pause auf dem Grassmarket, ehe wir uns in Richtung Neustadt aufmachten. Neustadt ist übrigens nicht so ganz die richtige Beschreibung, die meisten Häuser dort stammen aus dem 18. Jahrhundert, aber im Vergleich zur Altstadt…  Wir hatten dort eine Teatime in einem recht imposanten Restaurant namens The Dome gebucht. Mit dicken Teppichen, korinthischen Säulen, Kronleuchtern, Marmortresen und Palmen sind die Räume für Gourmet-Dinner, Lunch oder High Tea gestaltet. Zum Glück war die Kleiderordnung doch nicht ganz so streng, wie es auf der Homepage stand und während wir noch die Karte studierten, stand plötzlich eine knuffige Kellnerin neben uns, die uns grinsend anbot, dass wir auch in Deutsch bestellen können. Das machte die Sache natürlich deutlich einfacher. Die Teatime umfasste alles, was das Herz begehrte und die wenigen Überbleibsel konnten wir in eine Doggybox packen und mitnehmen. 

Stef und Yvi wollten noch ein bisschen auf Fotojagd gehen, Dea und Sanne dem Hardrock Café einen Besuch abstatten, welches direkt neben dem Dome lag. Im Gegensatz zu den anderen beiden waren wir allerdings erfolglos. Es war wirklich das erste Mal, dass es nichts gab, was wir hätten kaufen können. Erschütternd!

So ganz ursprünglich wollten wir an dem Abend ja noch in eine Cocktailbar, aber der Plan wurde stillschweigend unter den Teppich gekehrt und wir verbrachten den Abend gemütlich in unserer Wohnung. Zumal wir am nächsten Tag wirklich früh aufstehen mussten.

Aber erstmal müssen wir die Sache mit den Ebenen noch aufklären. Edinburgh ist eine Stadt, die übereinander gebaut ist. Dazu noch auf vulkanischem Gebiet. Und nicht jede Straße kreuzt zwingenderweise die, die man sucht, weil sie nämlich einfach auf einer anderen Ebene liegt. Treppen sind hier das Zauberwort. Gefühlt musste man immer eine Treppe nehmen. Sei es zur Toilette, zu Sehenswürdigkeiten oder aber eben zur richtigen Straße. Die Schrittzähler hat es gefreut, unsere Füße weniger.

Tag 6

Der letzte Tag begrüßte uns erneut mit regnerischem Wetter. Ungünstig, da wir ja unseren Tagesausflug in die Umgebung machten. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir Stirling Castle. Die Burg liegt auf einem steil aufragenden Hügel vulkanischen Ursprungs und sieht wirklich imposant aus. Eigentlich wollten wir ja gar nicht rein, da wir nur zwei Stunden Zeit hatten, was uns zu wenig vorkam. Aber es regnete wirklich in Strömen und die Aussicht, bei dem Wetter draußen rum zu laufen, war wenig erfreulich. Also haben wir uns doch schnell noch Tickets gekauft und bereuen es absolut nicht. Das für Schottland historisch unglaublich wichtige Gebäude vegetierte ein bisschen vor sich hin, bis es vor gut 20 Jahren endlich umfänglich restauriert wurde. Von der Inneneinrichtung ist nicht viel übrig, dennoch ist es sehr liebevoll präsentiert. Mit Mitarbeitern in historischen Kostümen, prächtigen Wandmalereien und Tapiserien und jeder Menge Einhörner. Endlich!

Das Wetter hatte auch ein Einsehen und es hörte auf zu regnen. Weiter ging es zur nächsten Station, dem Loch Lomond. Flächenmäßig der größte See Schottlands. Als wir da ankamen, hatten wir das, was man getrost als typisch schottischen Drama-Himmel bezeichnen kann. Wolkenverhangene Bergspitzen, darüber strahlend blauer Himmel, gefolgt von tiefschwarzen Wolken. Einfach nur grandios! Die Station war auch für die Mittagspause vorgesehen. Wir hatten vorgesorgt,  holten uns im kleinen Shop noch ein paar Dinge dazu und machten es uns dann an einem der Picknicktische gemütlich. Achja… hier waren wir den Highlands so nahe wie sonst nie. Auf dem Parkplatz verläuft nämlich die Grenze zwischen Lowlands und Highlands. Und da wir zu den coolen Leuten gehören, standen wir natürlich auf der Highland-Seite, als unser Guide uns die Bedeutung der Linie erklärte. Yes!

Aber auch hier war die Zeit endlich und weiter ging es zur letzten Station. Was fehlt noch! Na? Richtig! Whisky. Ziel war die Brennerei mit dem unaussprechlichen Namen: Auchentoshan (Ook-en-tosch-en) nahe Glasgow. Laut eigener Aussage die einzige Destillerie, die ihren Whisky dreifach filtert. 135 Whisky-Brennereien gibt es übrigens aktuell in Schottland. Die alle durchzuprobieren ist wohl ein Lebenswerk.

Aber zurück zu unserer… die Jungs, die da arbeiten, waren allesamt zuckersüß. Nach Ankunft kriegten wir erstmal eine exklusive Toiletten-Führung. Der Mann, der uns durch die Brennerei geführt hat, freute sich, als er hörte, dass wir aus Berlin sind, denn da ist er auch regelmäßig, weil er hier Freunde hat. (Er re-importiert übrigens den Whisky aus Deutschland nach Schottland, weil er hier deutlich billiger ist.) Und der im Shop war so Gentleman, dass er sich nicht traute, Sanne zu sagen, dass ihr die Größe S vom Hoodie eventuell nicht passen könnte. (Tat sie aber – sehr zu seiner und ihrer Freude) und freute sich wie Bolle, dass Stef als erste das ganz neue Probier-Set kaufte. On top gab es noch eine kleine Emaille-Tasse. Hach…

Zurück in den Bus nach Edinburgh. Abzüge in der B-Note gibt es für unseren Guide. Kein Kilt und kein Stopp bei den Kelpies! Ansonsten war es aber eine schöne Tour zum Abschied.

„Sie sind so deutsch!“

Tag 3 führte uns in den Hafen von Edinburgh, um den letzten und für Andrea wichtigsten Ort zu besichtigen – die königliche Yacht Britannia. Nachdem das Land den Unterhalt der Yacht nicht mehr finanzieren wollte, wurde sie 1996 außer Betrieb genommen und liegt seitdem als Museumsschiff im Hafen von Edinburgh. Und wieder war der Audioguide recht kurzweilig mit einigen amüsanten Geschichten rund um die königliche Familie und die Besatzung der Yacht. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass man in einer der Offiziersmessen gerne Wombat-Tennis gespielt hat. Der Mannschaft wurde einmal von einer Frau einen großer Stoffwombat geschenkt. Sie war felsenfest davon überzeugt, dass er dort wohlwollend und liebevoll behandelt würde. Die Mannschaft hatte offensichtlich andere Vorstellungen von „liebevoll“. Man nehme einen Wombat, zwei Tennisschläger und einen Deckenventilator… Auf der Krankenstation einige Stationen später auf dem Rundgang sahen wir dann ein Foto von einer Not-OP des Wombats… tsis!

Viel Spaß hatte die Museums-Crew offensichtlich daran, überall auf dem Schiff die süßen Stoff-Corgis zu verteilen, die zur offiziellen Merchlinie gehören. Die steckten wirklich überall. Leider erfuhren wir erst am Ausgang, dass es natürlich eine Ralley dazu gab. Corgis zählen, Plakette abholen und an einem Gewinnspiel teilnehmen. Verflixt!

Aber, wo wir schon mal im Shop waren…

Ganz nebenher warteten wir auf die Ankunft von Stef und Yvi, die ja heute zu uns stoßen sollten. Eigentlich hätte alles super gut funktioniert. Kurzer Zwischenstopp in unserer Ferienwohnung, Mädels in Empfang nehmen, zurück zum Hafen. Wir hatten bei Lind and Lime eine Ginführung gebucht. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt.

Der Flug der Mädels war drei Stunden verspätet und bereits auf dem Weg zur Wohnung war klar, dass eine Übergabe des einzigen Schlüssels nicht klappen würde. Also Planänderung. Nach einem kurzen Telefonat haben wir die Tour kurzerhand auf Freitag Mittag verschoben.

Einen Kaffee und einiges Palaver später machten wir uns wieder auf den Weg. Getrennt zunächst, da die Mädels noch in den Supermarkt wollten. Wir standen leider das zweite Mal vor geschlossenen Türen des Shops vom Parlament (ja, in Großbritannien hat alles und jeder nen Shop), müssen wir dann wohl nochmal probieren, da Sanne da was kaufen möchte. Kurze Zeit später waren wir dann wieder zu viert und schlenderten die Royal Mile entlang. Wir hatten – auf Wunsch einer einzelnen Dame – Plätze in einem Pub mit Live-Musik reserviert. Auf den Bildern sah das alles schick aus. Aber als wir lernten, dass die Live-Musik erst um 22 Uhr starten würde, plus der Blick auf die Preise in der Speisekarte und den Tellern am Nebentisch, beschlossen wir kurzerhand, es bei einem Cider zu belassen. Der Kellner war zwar pissed, aber das ist sein Problem. Dea und ich brachten die Mädels in den Pub, wo wir am ersten Abend gegessen hatten. Was wahrlich eine gute Entscheidung war!

Die Überschrift resultiert übrigens aus einem Dialog von Susanne mit einem Busfahrer. Wir standen etwas verloren an der Bushaltestelle am Hafen, als wir zurück wollten. Riesige Baustelle und es war nicht ersichtlich, wo wir hin mussten. Es kam der Bus aus der Stadt und blieb stehen, Türen aber zu. Irgendwann gingen sie wieder auf und Susanne flitzte zum Busfahrer, um ihn zu fragen, wo die Haltestelle in die Stadt sei. Welchen Bus wir denn bräuchten. Na, den hier. Na, dann steigt doch ein. Breites Grinsen. Susanne zückte stolz ihr Handy und präsentierte ihr Ticket. Noch breiteres Grinsen. „You are soooo German!“

Tag 4

Empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Stef und Yvi wollten auf den Arthurs Seat kraxeln, wir machten uns erneut auf den Weg Richtung Hafen zur Gin-Distillery von Lind and Lime. In der Vorbereitung der Reise hatten wir drei Distillen in Edinburgh zur Auswahl. Edinburgh Gin hatte Andrea sofort abgewählt, ihr mundet eine der vielen Sorten nicht und somit war sie sehr voreingenommen (das wird hier im Laufe der Reise auch nicht besser). Pickering Gin war zu weit weg, so blieb nur Lind and Lime. Ein Gin, den wir bereits kannten und der uns schmeckt, perfekt also. Wir hatten ja bekanntermaßen umgebucht, aber keine Bestätigung bekommen. War aber alles kein Problem. Dann nahm uns Stewart in Empfang, ein knuffiger, bärtiger junger Mann mit wunderbar rollendem R. War am Anfang nicht ganz leicht, ihn zu verstehen, aber irgendwann hatte Susanne sich eingegroovt. Und es folgten tolle 2 Stunden. Zur Begrüßung gab es erstmal einen Gin Tonic, während uns Stewart die Geschichte der Destille erzählte, wir die einzelnen Bestandteile des leckeren Getränkes präsentiert bekamen und er den Prozess des Ginbrennens erläuterte. Wenn man nur eine Gin-Sorte herstellt, kann man natürlich nicht wirklich ein Tasting anbieten. Aber Lind and Lime sind da sehr kreativ. Als nächstes konnte nämlich jeder von uns sein eigenes 5cl-Fläschchen abfüllen und mit Etiketten bekleben. Dann ging es an einen bereits gedeckten Tisch, wo wir uns unter Anleitung einen Gimlet gemixt haben und noch was über die Zukunftspläne hörten. Die eigentliche Leidenschaft der beiden Besitzer ist natürlich Whisky… wie überraschend in Schottland.

Draußen im Shop wartete dann noch eine kleine Kostprobe des Sherrys und des Ports, den sie ebenfalls produzieren. Der Port wusste Susanne zu überzeugen. Genauso wie einige andere Dinge in dem Shop. 

Stef und Yvi waren mittlerweile vom Berg runter, wollten aber in die Royal Mile, die wir beide gefühlt schon fünf mal rauf und runter gelaufen waren. 

Wir hatten vom Castle aus eine sehr imposante Kathedrale gesehen, zu der wir uns dann auf den Weg machten. Als wir aus dem Bus ausstiegen, wurden wir allerdings von zwei anderen Kirchen (Kirchen können sie hier…) und einem wunderschönen alten Friedhof abgelenkt. Also gab es kurzerhand eine Planänderung. Der Friedhof und die dazugehörige Kirche ist die älteste Kirchenanlage in Edinburgh und liegt malerisch am Fuße des Castles. Die Kirche entpuppte sich als relativ schlicht, bestach aber durch ein wunderschönes Relief über dem Altar und eins von fünf Tiffany-Fenstern in Großbritannien. Sehr schön. Dann wollten wir uns die daneben ansehen. Die will aber offensichtlich keine Besucher. Sie ist nur drei Tage in der Woche geöffnet und das auch nur von 12 bis 14. Okay, dann eben nicht. Schräg gegenüber war der große Johnny Walker-Laden. Ein Whisky, von dem man gerne mal vergisst, dass er aus Schottland kommt. Wir verorten den immer nach Amerika. Die haben da einen recht imposanten Laden hingebaut, den wir uns zwar angeguckt haben, aber die Kreditkarte blieb in der Tasche. So langsam wurde es aber auch Zeit… wir hatten ja noch ein Abendprogramm. 

Also fuhren wir zurück in die Wohnung, um unsere Einkäufe abzuwerfen und unseren Füßen eine kurze Pause zu gönnen. Dann trafen wir Stef und Yvi, um unseren abendlichen Spaziergang durch Edinburgh anzutreten. „Die dunkle Seite – Edinburghs Mörder und Monster.“ Klang vielversprechend. Unser Guide Urs war ein sehr enthusiastischer Erzähler, der vor 10 Jahren von Österreich nach Schottland gezogen war. Die Tour führte uns eine Route entlang, die wir alleine nie gefunden, geschweige denn genommen hätten. Rauf auf den Carlton Hill mit Postkartenblick auf die Stadt, verschlungene Pfade wieder herunter. Nebenher erfuhren wir, dass der Boden unter Edinburgh mit Leichen gepflastert ist. Die Einwohner nennen es gerne Leichen-Lasagne: Erde, Leiche, Erde, Leiche… Als Leiche war man allerdings auch auf dem Friedhof nicht sicher, denn die Mediziner zahlten für frische Leichen, um an ihnen zu forschen. Und neben dem Pub, in dem wir gestern Abend noch gesessen hatten, wurde eine inzestuöse Familie inhaftiert und zum Tode verurteilt, die unzählige Morde begangen hatte, um sich von den Leichen zu ernähren. Wild hier in Edinburgh! Am Ende der Tour gab es noch kurz ein Highlight für die Fans der Outlander-Serie unter uns – Jamies Druckerei. Dann waren wir aber wirklich durch mit dem Tag. Schnell noch eine sehr leckere Pizza geholt und den Abend ausklingen lassen. 

Der Versprecher des Tages geht übrigens an Andrea: „Diesen Körper hinzurichten, dauert nur zehn Minuten.“ Das steht keineswegs im Zusammenhang mit der abendlichen Tour, aber zwischen herzurichten und hinzurichten ist halt nur ein Unterschied von zwei Buchstaben.

Endlich Edinburgh!

Nun haben wir ihn also hinter uns, den ersten Flug seit drei Jahren und den ersten vom BER. Abgesehen von der deutlich längeren Anreise (zumindest für Susanne) und den doch etwas weiteren Wegen, haben wir nix zu meckern. Check-In und Sicherheitskontrollen gingen zügig. Gut, die Maschine war noch nicht da, als wir zum Boarding aufgefordert wurden, aber da kann der Flughafen ja nix für. Mit einer halben Stunde Verspätung waren wir also endlich auf dem Weg nach Edinburgh.

Die Ankunft hier war so ungefähr das Schnellste, was wir je erlebt haben. Raus aus dem Flugzeug, Toiletten gesucht und da drehten unsere Koffer auch schon ihre Runden auf dem Transportband. Krass! Auch der Transport in die Stadt ist dank einer direkten Busverbindung einfach und schnell erledigt. Unsere Wohnung war nicht unsere erste Wahl – durch die dreimalige Verschiebung war die nämlich leider nicht mehr frei – aber sie ist geräumig, super gut ausgestattet, immer noch recht zentral gelegen und bietet Ausblick auf den Arthur’s Seat, quasi dem Hausberg von Edinburg, einem ehemaligen Vulkan. Sieht schon imposant aus.

Aber, da wir nicht zum Spaß hier sind, haben wir nur kurz unseren Kram sortiert und dann ging es auch schon wieder los. Natürlich besteht die Top Drei der Must-Sees von Andrea aus royalen Hotspots und da einer davon nur 10 Minuten Fußweg entfernt ist, hat der Palace of Holyroodhouse das Rennen gemacht, unsere erste Station zu werden.

Der kleine, aber sehr feine Palast ist die offizielle Residenz der Queen in Edinburgh. Sie ist regelmäßig einmal im Sommer hier und hält verschiedene Empfänge, gerne auch Gartenparties – kein Wunder bei diesem traumhaften Garten! Aber auch bei den anderen Mitgliedern der königlichen Familie ist Holyrood sehr beliebt und wird rege genutzt.

Der Rundgang wird von einem toll gemachten Multimedia-Guide unterstützt, auf dem auch Mitglieder der Königsfamilie zu Wort kommen. Und Rubbel- und Suchbilder gibt es auch. Ja, Museen können sie auf der Insel, haben wir ja schon häufiger festgestellt. 

Was natürlich nicht fehlen durfte, war ein Besuch im Museumsshop, zumal das der einzige ist, in dem es wirklich das offizielle Königsmerch gibt. Über diese halbe Stunde breiten wir einfach mal das royale Mäntelchen des Schweigens. Abgesehen vielleicht von dem wirklich sehr freundlichen Verkäufer, der Susanne in aller Seelenruhe ausfragte, was wir denn alles vorhaben in den nächsten Tagen.

Nun brauchten wir aber dringend eine Pause. Der nächste Pub war ein paar Minuten entfernt, aber noch machbar. Eigentlich wollten wir ja nur was trinken, aber so nach und nach reifte der Plan, Fish & Chips zu futtern, nachdem wir feststellten, dass es sonst vielleicht schwierig werden würde, angesichts unserer weiteren Planung. Das Problem war nur: in der Küche war Annahmestopp, da im hinteren Teil des Ladens eine große Gesellschaft irgendwas feierte. Wir saßen gerade so schön und beschlossen zu warten. Irgendwann kam ein – ebenfalls sehr freundlicher – Mitarbeiter zu uns an den Tisch und flüsterte Susanne zu, dass wir jetzt bestellen könnten. Und ratzfatz stand eine riesige, ganz frische Portion vor uns. Das war genau die richtige Entscheidung! Das beste Fish & Chips was wir jemals auf der Insel gegessen haben. Und endlich einmal ohne diesen Berg von Erbsen, die eh immer durch die Gegend purzeln.

Nach dem Fußmarsch zurück zur Wohnung waren wir eigentlich Sofareif, aber der Kühlschrank war noch leer. Also mussten wir uns nochmal aufraffen und zum Supermarkt, der zum Glück nicht weit weg ist. Ob die Regale wegen des Brexits so leer waren oder wegen der fortgeschrittenen Stunde, wissen wir nicht. Aber wir bekamen alles, was wir brauchten. Danach war dann aber wirklich Sofa und ein Absacker angesagt.

Tag 2

Heute wollten wir hoch hinaus. Edinburgh Castle war das erste Tagesziel. Dass man dazu Bergsteigen muss, hat uns niemand verraten. Von der Seite, wo wir hoch wollten, führte eigentlich eine Treppe nach oben. Dummerweise war die außer Betrieb. Naja, wenigstens haben wir so den Shop von der Scottish National Gallery entdeckt. Und wer unsere Blogs aufmerksam verfolgt weiß, dass wir Museumsshops lieben. Einen kleinen Umweg und einen steilen Anstieg später waren wir dann endlich beim Castle. Tickets hatten wir ja zum Glück schon – dank des Tipps eines guten Freundes, der letzte Woche an gleicher Stelle unterwegs war, wir hätten nämlich auch keine mehr bekommen. Erstmal haben wir uns eine Übersicht verschafft und festgestellt, dass das Shop-System genauso ist wie im Tower of London. Jeder verkauft was anderes. Naaa gut, zum Glück waren die Shops auf der Karte eingezeichnet. Andrea markierte alle, so dass auch keiner übersehen wird. Theoretisch jedenfalls. Praktisch haben wir einen, trotz größter Suche, einfach nicht gefunden. Das viel größere Shopdrama tat sich allerdings im Herzsstück des Castles auf – den schottischen Kronjuwelen! Dort freute sich Andrea auf den entsprechenden Kronjuwelen-Shop, aber…. GESCHLOSSEN! Sanne musste eine kurz fassungslose Andrea beruhigen. Die Kreditkarte wird allerdings jubiliert haben, endlich mal eine kurze Pause. Die militärischen Ausstellungen haben wir alle links liegen lassen, aber auch so gab es noch genug zu sehen. Vor allem jede Menge Aussicht bei aller schönstem Wetter. Alle haben uns im Vorfeld gesagt, dass wir die One o‘clock Gun nicht verpassen sollten. Klang auch erstmal spannend, aber Vor Ort stellte sich heraus, dass die Hälfte der Anwesenden Touris sich schon Ewigkeiten vorher in Position brachten. Da hatten wir ja nun gar keine Lust drauf. Nachdem wir es eigentlich schon abgewählt hatten, tat sich plötzlich doch eine kleines Sichtfenster etwas oberhalb der Kanone auf. Und es war kurz vor 13 Uhr. Gut, stellten wir uns also hin. Der Kanonenboy machte was er sollte, sah gut aus (jedenfalls aus der Entfernung) und dann machte es kurz puff und vorbei war es. Hmmm, ein Wachwechsel wäre spannender gewesen. Aber gut, es hat eine historische Bedeutung.

Nachdem wir alles gesehen, alle Shops besucht und unseren Füßen eine kurze Pause gegönnt haben, haben wir uns in das Getümmel von Castlehill gestürzt. Ein Wollladen jagt den nächsten. Zwischendrin Whisky- und Merchläden. Das ganze Touri-Programm halt. Ein paar Läden haben wir besucht – man muss sich ja ne Übersicht verschaffen – aber es war immer noch höllisch voll, obwohl das Festival seit dem Wochenende vorbei ist. Nachdem besagter Freund vor einer Woche hier bereits auf Mützenjagd war, macht Andrea es ihm nun nach. In einem der Castleshop gab es eine hübsche Baskenmütze, nur leider in Pink. War schön, aber ist im Alltag schwierig zu kombinieren. Also schauen wir nun ob wir was ähnliches finden. Es gibt karierte, eine davon ist schon so gut wie gekauft, aber das Ursprungsmodell wäre noch schöner.

Andrea hat diesen Drang, immer in schön aussehende Durchgänge rein zu gucken. Zum Glück, denn hinter dem einen versteckte sich ein kleiner Hof mit einem schnuckeligen Pub. Und im Vergleich zum Getümmel auf der Straße herrschte hier himmlische Ruhe. Erstmal ein Cider! Bei der Gelegenheit entdeckten wir das Writers Museum, was eigentlich nicht auf unserer Liste stand. Aber es sah sehr schön aus und ist umsonst. Vielleicht bauen wir es ja doch noch ein. Zurück auf der Tourimeile bewegten wir uns langsam in die Richtung des Restaurants, wo wir zu Abend essen wollten, da entdeckte Andrea eine wunderschöne Kirche voraus, an deren Tür noch reges Treiben herrschte. Mussten wir uns doch gleich mal genauer angucken. Es handelte sich um die St. Giles Cathedral, eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und ist die Hauptkirche der Church of Scottland. Und hier kommt ein Pro-Tipp von uns. Wenn draußen die Sonne scheint und es Richtung Abend geht, ab in diese Kathedrale. Das Licht im Inneren ist zu dieser Zeit einfach spektakulär! Leider schließen sie um 18 Uhr und wir haben nicht alles geschafft, aber den Abschied versüßen sie einem mit Orgelklängen. Hach!

Dank des perfekten Bussystems in Edinburgh fanden wir gut nach Hause und schon hat Tag drei begonnen. Aber darüber schreiben wir später. Jetzt ist meine Zeit mehr. Heute kommen noch zwei Freundinnen. Die sind schon in der Luft und wir müssen vorher noch schnell mal in den Hafen von Edinburgh.

Glücksspiel Weimar

Eigentlich wollten wir diese Reise ja schon letzten Herbst machen, doch dann schossen – vor allem hier in Thüringen – die Infektionszahlen durch die Decke. Ehe wir vor lauter geschlossenen Türen stehen würden, hatten wir also storniert. Neuer Anlauf – fast genau zwei Jahre nach der letzten Reise, die wir drei zusammen unternommen haben. Und die ging bekanntlich nach Kanada. Nun ist Weimar zwar nicht Kanada, aber immer eine Reise wert.

Letzte Woche haben wir uns zusammengesetzt, um die Tage in dieser schönen Stadt genauer zu planen und stellten da schon fest, dass wir offenbar etwas spät dran waren, denn die online verfügbaren Zeitfenster-Tickets für die diversen kulturellen Institutionen, die wir besuchen wollten, waren entweder vergriffen oder die Zeiten passten nicht in unsere Planung. Uns beruhigte nur, dass überall stand, dass es an der Tageskasse immer noch Tickets geben würde. Na dann!

Der zweite Punkt, der die Planung etwas erschwerte, waren die vollkommen unterschiedlichen Schließzeiten, die nicht nur die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt haben. Gleiches gilt auch für die Restaurants. Sonntag und Montag zu ist ebenso im Angebot wie Montag und Dienstag zu, nur Donnerstag auf oder ab Freitag geöffnet. Wie soll man denn so ne ordentliche Planung machen!?

Egal, wir mussten nach zwei Jahren endlich mal wieder raus aus Berlin. Irgendwas würde schon klappen.

Mit unserer Ferienwohnung haben auf jeden Fall schon mal einen Glückstreffer gelandet. Sehr zentral gelegen, wunderbar geräumig und mit Balkon im Grünen. Was will man mehr? Eintrittskarten zum Beispiel oder eine Reservierung im Restaurant…

Nachdem wir Montag nach der Ankunft gelernt haben, dass es leider keinen zentralen Ort gibt, wo man Tickets erwerben kann, rollte die erste Spontanitätswelle durch unseren Dreier-Trupp. Susanne erklärte sich bereit, Dienstag früh vorm Frühstück zur Anna-Amalia-Gedenkbibliothek und zu Goethes Wohnhaus zu laufen, um dort Eintrittskarten zu erwerben. Bei Anna lernte sie, dass es leider nur Karten am Tag für den Tag gibt. Eigentlich wollten wir da Donnerstag früh hin. Aber niemand kann dir garantieren, dass du dann wirklich Karten bekommst und wie lange man letztlich warten muss, um herein zu kommen. Okay, das war da schon vor Corona immer eine Katastrophe, weil die einfach nur wenig Leute am Tag rein lassen. 

Gut – Problem verschoben, auf zu Goethe. Dort wollte sie für den gleichen Tag Tickets für ein Zeitfenster am Nachmittag erwerben. „Wir machen keinen Vorverkauf.“ „Aha… und, wenn wir heute Nachmittag kommen?“ „Müssen se probieren. Wenn die Karten weg sind, sind sie weg.“ „Ahaaa… na gut.“

Unverrichteter Dinge ging es zurück zu den Mädels. Erstmal frühstücken und sacken lassen. Anna Amalia schrieben wir für diesen Besuch ab. Das wäre ein sehr ungewisses, zeitintensives Unterfangen. Müssen wir halt nochmal her.

Der erste geplante Tagesordnungspunkt am Dienstag klappte dann zum Glück auch reibungslos. Ab ins Auto und raus zum Schloss Belvedere. Dort bekamen wir problemlos spontanen Zugang. Bewaffnet mit einem Audioguide erkundeten wir das kleine, feine Schloss, welches in einem wundervollen Garten liegt. Der Wettergott war auf unserer Seite, also erkundeten wir den Park gleich mit – nebst Orangerie, Grotte, Eiskeller, Fontäne und was es da noch alles zu entdecken gab. 

Nach einer Pause machten wir uns auf den Weg zu Goethes Wohnhaus. Die Dame hatte ja am Morgen gesagt, dass wir unser Glück probieren sollten. Als wir da ankamen, liefen wir allerdings gegen ein Schild, auf dem stand, dass die Karten für den heutigen Tag ausverkauft wären. Hä? Hatten die nicht gesagt, dass sie keinen Vorverkauf machen? Wie sollte das denn funktionieren? Energisch ging Heike zu der Lady am Einlass und fragte nach. Die bestätigte zwar, dass sie keinen Vorverkauf machen würde, aber so richtig erklären konnte sie erstmal nicht, wieso man dann am Nachmittag keine Tickets mehr kriegen konnte. Zumal doch mit Zeitfenstern verkauft würde. Nun, dann hat Heike gelernt, dass die Zeitfenster nichts zu sagen hätten, jedenfalls nicht so, dass man einen Besuch terminieren könne. Sie stoppen halt mal kurz, wenn zu viel Leute drin sind. Und die Tickets? Es gibt 510 am Tag und wenn die weg sind, sind sie halt weg? Ähm… okay. Klingt wirklich durchdacht und organisiert. Nicht.

Gut, wenn Goethes Wohnhaus nicht wollte, mussten wir uns was anderes suchen. Unsere Wahl fiel auf das Weimar-Haus. Eine kleine, aber feine interaktive Ausstellung, die die Entstehung Weimars bis zur Hochzeit der Weimarer Klassik abbildet. Informativ und unterhaltsam, wie gesagt, klein, aber fein. 

Immer noch hatten wir keinen freien Platz im Restaurant jagen können. Weimar ist im Vergleich zu sonst zwar leer, aber Restaurants mit thüringischem Essen gehen einfach gut. Nachdem im Restaurant unserer Wahl niemand ans Telefon ging, suchten wir Alternativen und fanden sie. Das Gasthaus Luise schien perfekt. Also nix wie hin. Sah auch toll aus, Platz hatten sie auch, allerdings erst am Mittwoch. Okay, dann mussten für diesen Abend halt die Reste vom Vortag her halten. Und es gab ja auch einen Ort, an dem wir uns ein bisschen trösten konnten. Das thüringische Feinkostgeschäft mit Eierlikör to go, welches wir schon Montag entdeckt hatten. 14 Sorten standen zur Auswahl und wir hatten die Qual der Wahl. Mohn und Himbeer waren schon mal Volltreffer und wanderten auch gleich als Mitbringsel in den Einkaufskorb. Ach, und thüringischen Gin hatten sie auch. Mit Latschenkiefer, Gurke, Himbeere… interessante Mischung und zum Glück hatten sie eine kleine Probierflasche und einheimisches Tonic. Da konnten wir also erstmal in der Fewo testen. Also ab dorthin und den Abend ausklingen lassen.

Der nächste Tag war fest verplant mit dem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, die nicht wirklich weit von Weimar ist. Eigentlich gab es Vorab-Tickets, die wir morgens buchen wollten, nachdem wir wussten, wann wir wirklich dort eintreffen würden. Dummerweise war die Seite down. Na gut, dann sind wir halt einfach mal hingefahren. Würde schon gut gehen. Ging es auch! Als wir ankamen, startete fünf Minuten später eine Führung, für die wir uns dann auch entschieden haben. Und das war eine goldrichtige Entscheidung. Der junge Mann, der die Führung gemacht hat war kompetent, mit unglaublich gutem Hintergrundwissen und der Fähigkeit, die damaligen Geschehnisse auf sehr subtile Art mit bestimmten Entwicklungen der heutigen Zeit zu verknüpfen. Großartig! Nach einem Rundgang durch die Dauerausstellung war dann aber auch der Punkt erreicht, dass wir das Gelesene nicht mehr verarbeiten, die Bilder nicht mehr erfassen konnten. So ein Besuch einer Gedenkstätte ist eben auch ziemlich anstrengend.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Wohnung ging es wieder in die Altstadt. Ein bisschen bummeln und aus ein paar feinen, kleinen Läden einige Dinge käuflich entführen. Huch, und warum war denn da schon wieder dieser Eierlikör to go Laden? Nagut, wenn er schon mal unseren Weg kreuzte. Es gab ja noch einige Sorten zu probieren. Und auch in dieser Runde wurde die eine oder andere Sorte für kaufwürdig befunden. Nachdem alle Einkäufe mal kurz abgeschmissen waren, ging es endlich zu unserem ersten Restaurantbesuch. War der Gasthof Luise vorher eher eine Notlösung, entpuppte es sich bereits nach wenigen Minuten zu einer wahren Wohlfühloase. Leckeres Essen, gute Atmosphäre und eine wahnsinnig tolle, kompetente, sympathische, nette Bedienung. Sowohl die Chefin, die durchs Restaurant wirbelte, als auch die junge Frau hinterm Tresen, die es wirklich drauf hatte. Wir hatten Spaß nur beim zusehen wie sie den Laden schmissen.

Der Donnerstag versprach ein Tag der Überraschungen zu werden. Goethe rief, aber würden wir dem Ruf folgen können? Drama oder Lustspiel? Das war hier die Frage! Früher als sonst brachen wir auf, strammen Schrittes zu Goethes Wohnhaus. „Haben Sie Tickets für heute?“ „Natürlich!“ „Ohkay…“ Nix wie rein! Das Wohnhaus ist wirklich beeindruckend! Der Herr wusste in der Tat, wie man es sich schön machte. Allerdings hatte man ihm auch ein extrem schönes Haus zur Verfügung gestellt. Hinter dem Haus gab es einen recht imposanten Garten durch den wir wandelten. Eine wundervolle Blumenvielfalt die jede Menge Insekten anlockt. Bienen, Hummeln und …. tja, was war diese große schwarze Bienenhummel mit schillernden blauen Flügeln? Noch nie gesehen. Spätere Recherche ergab dass wir die größte heimische Wildbienenart zu Gesicht bekommen hatten. Wegen des milderen Klimas hat sie sich jetzt auch in Thüringen recht breit gemacht.

 Hach, der erste Tagesordnungspunkt hat schon mal viel Spaß gemacht. Eigentlich gehört zu dem Eintritt auch noch der Besuch des Nationalmuseums. Darauf hatten wir allerdings in dem Moment wenig Lust. Draußen schien die Sonne, wir wollten noch zu Goethes Gartenhaus und dann staunten wir nicht schlecht, als wir von einer Mitarbeiterin lernten, dass wir ja auch gerne am Nachmittag wieder kommen könnten. Wir hätten ja Tageskarten. Das war der Punkt, wo wir das Kartensystem zwar endlich begriffen hatten, uns aber auch fragten, wieso uns das keine Sau vorher richtig hatte erklären können?! 

Gut, nicht weiter drüber nachdenken, es hatte ja funktioniert. Was noch nicht funktioniert hatte, war einen Tisch für den Abend zu ergattern. Also führte uns unser Weg zum Restaurant unserer Wahl. Nüscht… nachdem wir am Abend vorher schon gelernt hatten, dass ein anderes Restaurant, was auch gut klang, die ganze Woche Platz gehabt hätte, nur Donnerstag waren zwei große Gruppen eingebucht. Seufz… na gut, wenn thüringisch gerade aus ist, nehmen wir halt bayerisch. Hauptsache einen Platz in einem Restaurant!

Nun machten wir uns auf den Weg zum Park an der Ilm, in dem auch Goethes Gartenhaus liegt. Nach den Erfahrungen der letzten Tage hatten wir ein wenig Angst, dass wir zu spät dran sein könnten. Auf die bange Frage, ob es noch Tickets gäbe, antwortete eine knuffig junge Frau. „Natürlich gibt es bei uns noch Tickets. Sie sind ja früh genug hier.“ Balsam auf unsere Seelen. Wir erzählten ihr daraufhin von unserem Hickhack an Goethes Wohnhaus, was sie zu einem Augenrollen veranlasste. Hier ging alles etwas entspannter zu. Das Haus ist bescheiden im Vergleich zum Wohnhaus, aber der Garten! Träumchen!

So langsam nölte Andrea, dass sie Rücken und Füße hatte. Eigentlich wartete noch ein paar kleine Highlights im Park auf uns, aber die Weitläufigkeit und die Tatsache dass wir wirklich schon viel gelaufen waren, passten heute nicht mehr zusammen. Im Vorbeilaufen nahmen wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten des Parks mit, dann ging es zur wohlverdienten Pause in einem Café mit Sonnenplatz. Da wir früh am Tag aufgebrochen waren, hatten wir noch recht viel freie Zeit. Was damit anfangen? Goethes Nationalmuseum reizte uns immer noch nicht so richtig, das Stadtschloss wird restauriert, Schillers Wohnhaus ist beim nächsten Weimarbesuch dran. Okay, da gibt es noch diesen kleinen Witwensitz von Anna Amalia. Das Wittumspalais. Auch da ließ man uns glücklicherweise ein. Ein kleiner Spaziergang durch ihr Stadthaus war genau der richtige Abschluss unseres Kulturtages. Zeit die restlichen Dinge an Mitbringseln einzusammeln und… ach Mensch, da ist ja wieder dieser Eierlikörladen. Die nette Verkäuferin sah uns uns und fragte auch gleich „Eierlikörchen?“ Naaa gut, wenn sie uns diesen schon so aufdrängelt, dann sagen wir nicht nein. Und eine kleine Abschiedsrunde geht ja immer. 

Nach einem leckeren bayrischen Abendessen lassen wir den Abend jetzt ausklingen.

Fazit: wir wissen noch, wie dieses Reisen geht. Aber Weimar bedarf dann doch mindestens eines weiteren Besuchs und offensichtlich strategischerer Vorbereitung, als wir es gewöhnt sind. Challenge accepted!